Was auch immer hart ist – die Liebe macht es leicht

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Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Matthäus 11, Vers 28

Einen Erfrischungsstand sehe ich vor mir, wo in der Pause der schweißtreibenden Arbeit oder des sportlichen Trainings Getränke und Eis zu haben sind. So klingt der Vers in meinen Ohren: Eine Pause, in der Lasten abgelegt werden, die Anstrengung weicht und wir uns daran erinnern, dass Anderes unser Leben bestimmen soll, als das, was uns aufreibt.

Doch sowohl die Übersetzung »erquicken« als auch das griechische Wort dahinter, aus dem unsere »Pause« geworden ist, meint nicht nur eine Rast zwischen Anstrengung und Mühe. Es heißt aufhören mit dem bisherigen Trott, aussteigen aus dem Hamsterrad, zur Ruhe kommen. Nicht erst auf dem Grabstein soll es heißen: »Arbeit und Mühe war dein Leben. Ruhe hat nun Gott gegeben.«

Verkündet Jesus die Leichtigkeit des Seins und sagt: Nimm’s leicht; denk positiv?

Ja, ein bischen davon ist gemeint, wenn er uns zur Neuorientierung ruft. Ein bischen lernen wir leicht nehmen, was nicht verdient, so ernst genommen zu werden, wenn wir unser Leben unter dem Vorrang des Himmelreiches sehen.

Aber der selbe Jesus sagt angesichts der politischen Wirklichkeit seiner Zeit: »Wer in meine Schule gehen will, soll annehmen, dass die Römer ein Kreuz für ihn bereit halten, das er selber zur Hinrichtung tragen muss.« In dem Satz nach unserem Wochenspruch sagt er von der Last, die er uns aufgibt: »Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.«
Der Kirchenlehrer Augustin sagt es so: »Was auch immer hart ist in dem, was uns auferlegt ist: die Liebe macht es leicht.« Die Erfrischung am Wegesrand lässt uns aufblicken, den Himmel sehen, Balast abwerfen und Gewichte neu verteilen.

Timotheus Arndt

Timotheus Arndt ist Mitarbeiter der Forschungsstelle Judentum an der Universität Leipzig.

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