Energiewende und ihre Folgen

Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. Im Jahr 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Bürgerbewegungen und Kirchen, die sich für die Energiewende stark gemacht haben, können frohlocken. Die Reaktorkatastrophen in Japan gaben schließlich den Ausschlag, dass die Bundesregierung ungewohnt schnell mit einem umfassenden Gesetzeswerk reagierte. Vergangene Woche hat es der Bundestag beschlossen.




Darin ist der zeitliche Ablauf der Abschaltungen festgeschrieben und die Suche nach einem Endlager. Es sollen mehr Kraftwerke, vor allem für Erdgas, gebaut werden. Das Stromnetz wird erweitert und die Sanierung von Gebäuden gefördert. Vor allem aber soll der Anteil an Ökostrom erhöht werden. Sonne, Wind und Bioenergie – das sollen die Energieträger der Zukunft sein.

Das klingt gut. Doch ist es das auch? Brot für die Welt legte prompt den Finger in die Wunde. Die Energiewende in Deutschland drohe auf Kosten armer Länder zu gehen, sagte Brot-für-die-Welt-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel letzte Woche. Denn ursprünglich für den weltweiten Klimaschutz vorgesehene Mittel würden zugunsten der nationalen Energiewende gekürzt. Der zunehmende Anbau von Nahrungspflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen führe zum Anstieg der Zahl der Hungernden. Als Beispiel führte sie Sierra Leone an, eines der ärm­sten Länder der Welt. Dort würde Zuckerrohr für Ethanol auf fruchtbarem Land angebaut.

Und deshalb ist die Energiewende allein kein Anlass zum Frohlocken. Erst wenn wir unseren Energiebedarf decken können, ohne dass Menschen in anderen Ländern darunter zu leiden haben, ist eine wirkliche Wende geschafft. Und auch dafür sollte es Bürgerbewegungen geben.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]