Entscheidungen des Lebens

dnaDas Wunder des Lebens in der Petri-Schale: Der Gedanke allein ist schon gewöhnungsbedürftig. Möglich war das schon vorher. Doch nun ist es auch erlaubt. Außerhalb des Mutterleibs befruchtete Eizellen dürfen begutachtet und aussortiert werden – Gentests an Embryonen sozusagen. Dieser Gedanke ist noch viel mehr gewöhnungsbedürftig.

Vorige Woche haben die Bundestagsabgeordneten ihn heftig diskutiert. Schließlich hat die große Mehrheit dafür gestimmt, es zu erlauben. Nun soll es beim Risiko schwerer Erbkrankheiten oder einer hohen Wahrscheinlichkeit von Fehl- oder Totgeburten möglich sein, vor der Einpflanzung in den Mutterleib die befruchteten Eizellen zu untersuchen. Es ist keine Blanko-Vollmacht, sondern eine eng umrissene Möglichkeit der Zulassung.

Gegner der nun eröffneten Möglichkeiten verweisen zu Recht auf die damit vorgenommene Unterteilung in lebenswertes und lebensunwertes Leben. Die Befürworter haben die Not der Eltern im Blick, die sich bisher vergeblich ein Kind gewünscht haben und den Schritt der künstlichen Befruchtung beschreiten. Von 200 bis 300 Fällen im Jahr ist da die Rede. Und sie weisen auf den Widerspruch hin, dass Embryonen in der Petri-Schale bisher nicht untersucht werden durften – im Mutterleib aber schon. Bis hin zur Spätabtreibung.

Ärzte und Eltern stehen nun möglicherweise vor einer großen Herausforderung, wenn sie zu entscheiden haben, welches der noch ungeborenen Kinder ausgetragen werden soll. Eltern können damit auch überfordert sein.
Immerhin ist vor jedem solchen Eingriff eine Beratung vorgeschrieben. Zumindest aus dem Raum der Kirchen könnte da Orientierung gegeben werden.

Von Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]