Wege zur Taufe

titel_so_302011 ist das Jahr der Taufe. Höhepunkt soll ein Tauffest am 9. Oktober sein. Dafür wirbt die Landeskirche.

Zwölf Taufkerzen stehen vorn. Die Kinder haben sie an der Osterkerze angezündet: Es ist Taufgedächtnis in der Dresdner Versöhnungskirche. Und es wird ein Kind getauft. »Das Wasser ist das äußere Zeichen, das uns den Weg in den Himmel öffnet«, mit diesen Worten leitet Pfarrer Albert Hantsch die Taufe ein. Nach dem Gottesdienst versammelt sich die Familie des Täuflings vor der Kirche noch zum Familienfoto, ehe sie ihr Tauf-Fest feiert.

Nicht alle Familien können das. Das hat zumindest die Landeskirche ausgemacht. Oft seien Familien offen dafür, ihr Kind taufen zu lassen, aber hätten kein Geld für ein Fest oder lebten in schwierigen familiären Verhältnissen, sagt Pfarrer Urs Ebenauer. Oder sie hätten Schwierigkeiten, Paten zu finden. Ebenauer ist Referent des Landesbischofs und gehört zu einer Arbeitsgruppe, die sich darüber Gedanken gemacht hat. Denn die Kirchenleitung hat das Jahr 2011 zum Jahr der Taufe ausgerufen. Dabei soll der 9. Oktober als ein besonderer Tauf-Festtag in den Gemeinden gefeiert werden. Und natürlich sollen Familien eingeladen werden, ihr Kind taufen zu lassen.

Entstanden sind Bausteine für dieses Tauffest: der Vorschlag für einen Informationsabend zur Taufe; ein Musterbrief, wie Eltern anzuschreiben sind; Hinweise, wie die Gemeinde bei der Patenfindung helfen kann; der Ablauf für den Gottesdienst am 9. Oktober – sowie Plakate und Karten, die für diesen Sonntag werben. »1, 2, 3 – beim Tauffest dabei« ist darauf zu lesen. 23 Kirchenbezirke und Gemeinden haben schon ihre Bestellung abgegeben.

Auch der Kirchenbezirk Auerbach hat Plakate und Postkarten geordert. Superintendent Rudolf Hesse hat zwar Zurückhaltung in den Gemeinden festgestellt – nur etwa fünf bis sieben der 17 Gemeinden des Kirchenbezirks wollen das Anliegen aufgreifen. Doch die Karten sollen unter Jugendlichen und im Kindergarten verteilt werden. Allerdings hätten sich unter den 3800 Gemeindegliedern 280 gefunden, die ein ungetauftes Kind haben. Diese seien alle angeschrieben worden. Dass sie sich auch gleich zur Taufe anmelden, davon geht der Superintendent nicht aus.

Auch die Gemeinde Leubnitz-Neuostra in Dresden hat Briefe geschrieben. Nun wartet Pfarrer Andreas Horn auf die Reaktionen. Er hat es durchaus erlebt, dass Familien unsicher sind, wie sie eine Taufe feiern sollen, »vor allem, wenn sie nicht dem vermeintlich kirchentypischen Bild entsprechen«. Wenn die Eltern getrennt oder geschieden sind, wenn die Elternteile Kinder aus verschiedenen Beziehungen haben – wie ist dann mit den jeweiligen Vätern und Müttern, die nun mit anderen Partnern leben, umzugehen? Und vor allem gebe es oft die Frage nach geeigneten Paten. »Wenn diese Frage bei einer Taufanmeldung konkret steht, werden wir das im Kirchenvorstand besprechen und in Gruppen und Kreisen anfragen, wer ein Patenamt übernehmen will«, so Pfarrer Horn, der auch Mitglied der Landessynode ist.

Für Pfarrer Albert Hantsch und die Gemeinde Dresden-Blasewitz ist das Tauffest kein Thema für einen besonderen Tag. An dem Oktober-Sonntag wird wieder Taufgedächtnis gefeiert. Die Gemeinde hat jedoch einen Informationsabend gehalten. Daraus sind neue Taufanmeldungen hervorgegangen – und Teilnehmer für den nächsten Glaubenskurs. Insgesamt gab es 2011 schon 60 Taufen in der Gemeinde.

In Leipzig hat man sich eine ganze Woche überlegt, die auf einen Taufsonntag hinführen soll. Allerdings nicht am 9. Oktober. »Der hat in der Stadt einen anderen Duktus«, sagt Pfarrerin Angelika Biskupski vom Amt für Gemeindedienst. Viele Menschen aus den Kirchgemeinden seien in das Gedenken an die Friedliche Revolution vor 22 Jahren an diesem Tag involviert. Also ist der Tauf-Festtag in Leipzig am 18. September.

Christine Reuther

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