Rettungseinsatz ohne nachträgliche Rechnung

blaulicht

Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch Glauben, und das ist nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2, Vers 8

Ist es nicht eines jeden Pflicht, zu retten, wo sich die Möglichkeit ergibt? Unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand. Nun gut, nach einer teueren Rettungsaktion, und wenn sich die Geretteten auch noch leichtsinnig in Gefahr begeben hatten, wird hinterher die Rechnung präsentiert. Rettungskräfte hatten nicht nur Mühe mit dem Einsatz, oft mussten sie Risken eingehen, sich gar selbst Gefahren aussetzen. Aber gerettet werden muss.

Ist das hier bei den Ephesern anders? Hier betont der Apostel zweimal, dass die Rettung aus Gnade geschah und als Geschenk. Gut, das zweite, das Geschenk, mag heißen: Hier wird uns nachträglich keine Rechung präsentiert. Es kommt keine Nachforderung.

Aber was soll die erste Behauptung: »Aus Gnade sei ihr gerettet worden«? Dazu müssen wir unser Rettungswesen genauer ansehen. Unser schönes Ideal – gerettet werden muss – ist in Wirklichkeit auf überschaubare Einzelfälle beschränkt, vielleicht noch auf kurzfristige Katastrophenhilfe. Gegen den schleichenden Tod, der viele dauerhaft betrifft, wird längst nicht alles getan, was getan werden kann und soll.

Vor so einem schleichenden Tod waren die Epheser gerettet worden: Sie waren einst fern von der Hoffnung Israels, tot wie ihre toten Götzen und die Wege dieser Götzen. Jetzt aber sehen sie einen Weg, an der Hoffnung Israels teilzuhaben.

Das ist nicht der Weg, alle in den Bund der Israeliten aufzunehmen. Das ist der Weg, sich dem Israeliten Jesus anzuschließen, zu ihm Zutrauen zu fassen und seinen Weg zu gehen. Wir buchstabieren seinen Weg, lassen uns auf diesen Weg mitnehmen und sehen ihn trotz seines Todes im Leben enden.

Timotheus Arndt

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]