Die Jakobsmuschel im Wald

Renate Rettig in ihrer Pilgertracht an einem der neu mit der Jakobsmuschel gekennzeichneten Schilder des wieder ins Leben gerufenen Pilgerwegs durch den Tharandter Wald. (Foto: Thorsten Eckert)

Renate Rettig in ihrer Pilgertracht an einem der neu mit der Jakobsmuschel gekennzeichneten Schilder des wieder ins Leben gerufenen Pilgerwegs durch den Tharandter Wald. (Foto: Thorsten Eckert)


Im Tharandter Wald wurde jetzt ein Teilstück der Frankenstraße als Pilgerweg markiert

Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch nach Santiago de Compostela – dem anderen großen Pilgerziel in Europa. Wer sich den Weg nicht mit den Händlern und Pilgern auf der Via Regia teilen wollte, der bog vom Osten kommend in Königsbrück nach Süden ab auf die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Frankenstraße.

Die Via Regia wurde 2003 als Ökumenischer Pilgerweg durch Sachsen wiederbelebt. Um die Frankenstraße bemüht sich nun der Verein »Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße«. Doch um das Teilstück, das durch den Tharandter Wald führt, kümmert sich schon seit Jahr und Tag der ortsansässige Förderverein »Gästeführer Tharandter Wald/Osterzgebirge«.

»Mit dem Ökumenischen Pilgerweg wurde 2003 auch dieses Teilstück von Grumbach über Fördergersdorf durch den Tharandter Wald bis Grillenburg und weiter in westliche Richtung bis Naundorf in Erinnerung gebracht«, erzählt Renate Rettig.

Die Harthaerin freut sich, dass es nun auch offizieller Teil des Sächsischen Pilgerwegs auf der Frankenstraße ist. Gelbe Muscheln auf blauem Grund zeigen den Verlauf durch den Tharandter Wald an.

Wer den Weg nicht findet, kann sich auch einer geführten Wanderung von Renate Rettig anschließen. Um den Jakobstag, den 25. Juli, herum, bietet die ausgebildete Wanderführerin jeweils eine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg durch den Tharandter Wald an. Dann legt sie sich ihr rotbraunes Pilgercape um, setzt den Hut mit der Muschel auf, hängt sich eine große Jakobsmuschel um den Hals und nimmt ihren Wanderstab aus Weidenholz in die Hand.

Etwa vier Stunden dauert die Wanderung mit ihr. Dann erfährt man, dass dieser Weg früher auch Heiliger Weg genannt wurde. Er war dem Meißener Bischof Benno geweiht und führte von Böhmen nach Meißen. Es war aber auch der Weg, auf dem die Wettiner bei Begräbnissen nach Freiberg zogen. Deshalb wurde er auch Fürstenweg oder Leichenweg genannt.

Alte Wegzeichen künden davon – einst in Bäume, im 18. Jahrhundert in Steinsäulen geritzt. In Wilsdruff lag die romanische St. Jakobikirche ebenso am Weg wie die Kirche von Fördergersdorf.

Das Pfarrhaus Fördergersdorf wird nun zur Pilgerherberge, auch das Haus der Stille in Grumbach nimmt Pilger auf. Die ersten haben sich schon angemeldet. Und auch Renate Rettig kann nicht über mangelnde Nachfrage klagen.

»Es ist nicht bei jeder Wanderung so, aber wenn ich den Jakobsweg anbiete, habe ich immer Gäste«, sagt sie. Mal seien es Kirchgemeinden, mal Wanderer, die später einmal den Jakobsweg bis Spanien gehen wollten.

Am 31. Juli ist wieder so eine Gelegenheit. Treffpunkt ist 9.30 Uhr am Kurplatz im Kurort Hartha. Die Teilnahme kostet 3 Euro pro Erwachsener.

Christine Reuther

Renate Rettig, Telefon (01 77) 2 20 23 34, E-Mail renate-rettig@gmx.de.

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