Trauer mit Teddy

Das Kuscheltier und der Tonengel haben auf Gräbern nichts zu suchen. Die Friedhofsordnung legt fest, was auf kirchlichen Friedhöfen in Sachsen gestattet ist. (Foto: Steffen Giersch)

Das Kuscheltier und der Tonengel haben auf Gräbern nichts zu suchen. Die Friedhofsordnung legt fest, was auf kirchlichen Friedhöfen in Sachsen gestattet ist. (Foto: Steffen Giersch)

Warum auf kirchlichen Friedhöfen in Sachsen nicht alles Gewünschte auch möglich ist.

Wieder sitzt ein Englein aus Ton auf einem Grab. »Das ist nach unserer Friedhofsordnung nicht erlaubt«, sagt Ines Vogel, Verwalterin des evangelischen Friedhofes in Dresden-Kaditz. Dennoch bleibt sie gelassen.

Aus Erfahrung weiß sie: Unmittelbar nach Verlust eines Menschen drücken Angehörige ihre Trauer manchmal so aus. Nicht immer stilsicher. Andernorts zieren Kuscheltiere Kindergräber. »Doch das lässt später nach«, sagt Ines Vogel. »Und die Leute würden es nicht verstehen, wenn wir das einfach wegräumen würden.« Nehme das überhand, greife er allerdings ein, sagt Friedhofsmeister Steffen Vogel. »Wir müssen auf das Gesamtbild achten.«

Vorschriften bei der Friedhofsgestaltung durchzusetzen, ist eine Gratwanderung auf sensiblem Gebiet. Gefühle stehen Paragrafen gegenüber. Besonders auf jenem Teil des Friedhofs, auf dem die strengeren »zusätzlichen Gestaltungsvorschriften« gelten.

Die zusätzlichen Vorschriften definieren die Grenzen der Grabgestaltung bis in die Einzelheiten: nur Naturstein, Holz, geschmiedetes oder gegossenes Metall als Material zum Beispiel. Keine Polierung, keine schwarzen oder weißen Steine, keine Goldbuchstaben, keine überflüssigen Inschriften wie »Ruhestätte« oder »Elterngrab«. Hinzu kommen Bestimmungen für die zulässigen Pflanzen.

In Kaditz macht dieser Teil weniger als ein Viertel des Friedhofs aus. Für die meisten Gräber hingegen existiert eine weiter gefasste allgemeine Ordnung. Wer Angehörige bestatten lässt, hat die Wahl.

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag – mit kleinlicher Regelungswut hat das für Simone Meinel nichts zu tun. Sie ist Referentin der Landeskirche für das Friedhofswesen. »Ein Grabmal ist kein Plakat«, betont sie. »Sondern ein Objekt für das Nachdenken. Grabmäler stehen auf einem öffentlichen Platz als Symbol für die Gemeinschaft der Verstorbenen, in die sich der Einzelne einfügen sollte. Es geht nicht um Konkurrenz.«

Flächen mit weiter gefasster Ordnung neben solchen mit »zusätzlichen Gestaltungsvorschriften« muss die Kirchgemeinde dort zur Verfügung stellen, wo ihr Friedhof der einzige im Stadtteil oder im Dorf ist. Das kommt häufig vor. Die mehr als 1200 kirchlichen Friedhöfe in Sachsen sind für rund 85 Prozent der Menschen letzte Ruhestätte. Dabei sind weit weniger als ein Drittel kirchliche Bestattungen.

Doch als Hüter einer Grabgestaltung mit tieferem christlichen Sinn stehen die kirchlichen Friedhofsverwalter in hartem Gegenwind. Simone Meinel registriert einen sich ausbreitenden »Trend zur Individualisierung«. Liberalisierung und Deregulierung würden gefordert. »Persönliche Optionen treten an die Stelle von gemeinschaftsbildenden Traditionen.«

Selbst in Kirchgemeinden stoßen manche Vorschriften auf Unverständnis. Beispiel: Im erzgebirgischen Beierfeld sind naturbelassene Theumaer Schieferplatten vor die Grabsteine auf Stellen mit vereinfachter Pflege gelegt worden, wie Pfarrer Friedemann Müller berichtet. Mitarbeiter des Regionalkirchenamtes Chemnitz hätten dies als »nicht christlich« getadelt. Das begreife er nicht.

Für Simone Meinel resultieren Konflikte dieser Art oft daraus, dass lediglich auf die Bestimmungen getippt, nicht aber deren Sinn vermittelt wird. Es komme jedoch darauf an, dass Mitarbeiter und Kirchvorsteher Regelungen sensibel begründen können.

Ines Vogel rät Hinterbliebenen, die Grabgestaltung nicht gleich in der akuten Trauerphase zu erledigen. Besser sei es, sich Zeit zu nehmen zum Nachdenken und sich beraten zu lassen, sagt sie. Dafür hat sie auch ein Fotoalbum mit Beispielen. »Auf jeden Fall sollte der Grabstein etwas über den Verstorbenen aussagen.«

Tomas Gärtner

Sachsens Friedhöfe und ihre Friedhofsordnungen

Was die Friedhofsordnung vorschreibt: Eine Musterfriedhofsordnung von 2004 legt für Grabstellen die Wahlmöglichkeit fest zwischen Grabstätte in einem Gräberfeld mit allgemeinen oder in einem Gräberfeld mit zusätzlichen Gestaltungsvorschriften (§ 32, Abs. 1).

Zusätzliche Gestaltungsvorschriften: Diese beschließt der Friedhofsträger. Die Vorschriften regen an, Grabmale mit auf den jeweiligen Verstorbenen bezogener Aussage zu schaffen. Sie helfen, eine sowohl sinnbezogene als auch kostengünstige und pflegearme Grabbepflanzung mit heimischen, friedhofstypischen Pflanzenarten zu erreichen (§ 32, Abs. 2).

Was »Zusätzliche Gestaltungsvorschriften« festlegen:

  • die Größe der Grabmale (Verhältnis Höhe, Breite, Stärke);
  • das Material und dessen Bearbeitung (Naturstein, Holz, geschmiedetes, gegossenes Metall);
  • die Art von Schrift, Inschrift und verwendeten Symbolen – nicht zugelassen sind Lichtbilder und Bildgravuren;
  • die Stellung des Grabmals auf der Grabstätte;
  • die Grabstättengestaltung mit Pflanzen – nicht gestattet ist das Abdecken mit Platten oder Kies.

Friedhöfe: In Sachsen gibt es rund 1250 evangelische Friedhöfe. Auf denen finden rund 85 Prozent aller Bestattungen statt; nur 20 bis 30 Prozent davon sind kirchliche Bestattungen.

Link: Musterfriedhofsordnung der sächsischen Landeskirche (PDF)

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]