Berlin: 13. August 2011 Grenzdurchbruch erfolgreich vereitelt

„Mauerjubiläum?“ – Eine Fiktion
Gedanken zu 50 Jahren Mauerbau
Von Martin Modschiedler MdL

Martin Modschiedler: Seien wir froh und dankbar, dass aus dieser Fiktion niemals Realität wurde und die Mauer 1989 fiel.

Martin Modschiedler: Seien wir froh und dankbar, dass aus dieser Fiktion niemals Realität wurde und die Mauer 1989 fiel.

13. August 2011. Irgendwo in Ostberlin am Grenzstreifen.

Wenige Wochen weiter will die SED-Führung prunkvoll den 62. Jahrestag der DDR feiern lassen.

… Es erscheint ein Punkt auf dem Radar. Der wachhabende DDR-Grenzoffizier notiert die Uhrzeit. Es ist 00:12 Uhr.

Eine unbekannte Person befindet sich in der Sperrzone und nähert sich unerlaubt dem Grenzverlauf.

Von Sensoren erfasst und von Kameras verfolgt zeichnet sich nach und nach ein Bild dieser Person ab.

Standort ist klar, Ziel ist klar. Zugriff erfolgt – Schüsse sind dabei nicht mehr notwendig.

An der immergrünen Hecke, welche mittlerweile Beton und Stacheldrahtzaun ersetzt hat, wird der Flüchtige betäubt werden und zu Boden gehen.

Nach der Ablösung kann sich die nächste Schicht der Grenzsoldaten aufmachen ihn aufzulesen. Wie all die anderen auch, die es diese Nacht noch versuchen werden.

Auf ihre Flachbildschirme schauend prosten sich die Wachhabenden zu.

Ziel erreicht – wieder einmal. Wieder einen Bürger an der Flucht aus der DDR gehindert. Im Tagesbericht wird es lakonisch heißen: „Im Grenzabschnitt Berlin wurde erfolgreich ein Grenzdurchbruch vereitelt.“

Rückblick: 50 Jahre zuvor – 13. August 1961

Nachdem die wirtschaftliche Lage der DDR immer prekärer wurde, die Versorgungsprobleme merklich zunahmen und der Flüchtlingsstrom in den Westen stärker wurde, beschloss die DDR-Regierung zu reagieren. Von der sowjetischen Staatsführung unterstützt, wird gehandelt.

Zehntausende Grenz- und Volkspolizisten sowie Angehörige der Kampfgruppen rissen die Berliner Straßen auf, errichteten Barrikaden und Stacheldrahtverhaue.

Die NVA fuhr Panzer auf und hielt die Bürger mit Maschinengewehren in Schach – seltsamer Weise wurden die nur in Richtung DDR-Territorium gezielt – also auf die Menschen, die doch nach offizieller Lesart geschützt werden sollten.

Den Menschen auf beiden Seiten der Grenze blieb nichts anderes übrig als mit Entsetzen zuzuschauen.

Anschließend wurde auch die innerdeutsche Grenze zum unüberwindbaren Todesstreifen ausgebaut. Schießbefehl, Stacheldraht, Metallgitterzäune, Wehrtürme, Hunde, Selbstschussanlagen, Minen…

Die Grenze war dicht! S- und U-Bahnlinien waren unterbrochen, Kanäle und Brücken gesperrt, Straßen geteilt und nicht mehr passierbar. Familien wurden von heute auf morgen auseinander gerissen – Eltern von ihren Kindern, Brüder von ihren Schwestern, Großeltern von ihren Enkeln.

Wiedersehen ungewiss oder gar unmöglich? Freundschaften und Beziehungen brachen auseinander. Menschen konnten ihre Schulen oder Arbeitsstellen nicht mehr aufsuchen. Andere mussten ihre Wohnungen räumen und verloren ihr Eigentum. Das Leben vieler Bürger war zerstört.

Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Angst machten sich breit. Die Menschen in der DDR waren der Willkür von Staat, Armee und Staatssicherheit ausgesetzt. Was keiner für möglich gehalten hatte, wurde von der kommunistischen Führung in die Tat umgesetzt – die rigorose und gnadenlose Teilung einer Stadt und eines Landes – die rigorose und gnadenlose Teilung einer Stadt und eines Landes.

Dies war der Beginn für eine Zeit der Isolation, der endgültigen Abschottung zum Westen.

An der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze sollten sich in den folgenden Jahren wiederholt dramatische Ereignisse abspielen.

Immer wieder wurden Menschen beim Versuch über die Grenze zu flüchten festgenommen, verletzt oder getötet. Insgesamt starben nach Recherchen des Berliner Mauermuseums 1.393 Menschen durch das DDR-Grenzregime, davon ca. 130 an der Mauer in Berlin – Opfer eines totalitären Systems.

Das unmenschliche Leid der Bevölkerung auf beiden Seiten der Mauer kann nicht in Zahlen ausgedrückt werden. Die Mauer – vielleicht das monströseste und menschenverachtendste Bauwerk der Geschichte!

Was am 13. August 1961 begann, blieb bis zum Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 bittere Realität. Die Ereignisse in den 28 Jahren des Bestehens der Mauer waren schrecklich. Deshalb kommt eine von der SED-Nachfolgepartei Die Linke immer wieder versuchte Verharmlosung der Geschehnisse einer Lüge gleich.

Dem muss man entschieden entgegentreten. An dieses Bauwerk und dessen verheerende Wirkung auf die Menschen zu erinnern, ist unsere bleibende Aufgabe.

Der Bau der Berliner Mauer und die innerdeutsche Teilung darf nicht vergessen werden.

13. August 2011 am frühen Morgen

Wieder dringt eine Person in die Sperrzone ein, erreicht die Hecke, geht zu Boden…

Die Idee der grünen Hecke, der intelligenten Überwachung, plante man in der DDR seit 1983 unter dem Namen „Mauer 2000“ tatsächlich.

Seien wir froh und dankbar, dass aus dieser Fiktion niemals Realität wurde und die Mauer 1989 fiel.

Quelle: Martin Modschiedler MdL

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