Tanz ums goldene Kalb

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»Geld regiert die Welt« heißt es im Sprichwort. Was das wirklich bedeutet, merken wir jetzt – und zwar nicht erst seit den jüngsten Schuldenkrisen.

Der Normalbürger kann sich die Milliarden und Billionen gar nicht mehr vorstellen, die da als Staatsschulden und Anleihen durch den Weltmarkt, die Börsen und die Nachrichten geistern.

Dabei hatte doch das System von Kreditaufnahme und Schuldenrückzahlung einst nur den einen Zweck: Firmen, die Geld brauchten, um eine Produktion aufzubauen, dies zu ermöglichen. Mit dem erwirtschafteten Erlös wurden dann die Schulden abbezahlt.

Doch auch Staaten machen Schulden, ja planen diese fest in ihre Haushalte ein. Die Bürger würden schon die nötigen Gewinne erwirtschaften, um mithilfe der Steuereinnahmen Kredite zurückzahlen zu können.

Doch die Schulden haben in manchen Ländern eine Höhe erreicht, die durch das eigene Steueraufkommen nie und nimmer getilgt werden kann.

Dazu kommt die Gier: Aus den an Börsen gehandelten Anleihen sollen immer mehr und mehr Gewinne erzielt werden. Imaginäres Geld wandert durch Computer, um irgendwo als Gewinn zu erscheinen, der auf dem Konto des Anlegers landet. Und Anleger gibt es viele.

Wir sind alle dabei: erhoffen Gewinnausschüttungen bei Lebensversicherungen oder Investmentfonds.

Und so wächst mit der Gier die Angst, dass mit dem Kartenhaus der Schulden auch die Hoffnung auf ein dickeres Bankkoto schwindet.

Deshalb sollten wir uns nicht wundern, wenn das Geld die Welt regiert, weil wir alle mit um das goldene Kalb tanzen.

Zum Segen wird es erst, wenn wir nicht nur an uns, sondern auch an die Mitmenschen denken, die es besser gebrauchen könnten.

Gelegenheit ist in diesen Tagen auch dazu genug.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]