Abschottung ist keine Lösung

Bundesarchiv_Bild_B_145_Bild-P061246So wurde es uns in der Schule begründet: Die Sicherung der Staatsgrenze zum Westen musste erfolgen, weil in der DDR gut ausgebildete Fachkräfte das Land verließen. Dass heute noch jeder zehnte Berliner – wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa herausfand – die Teilung der Stadt richtig findet, lässt erschrecken. Vor allem innerhalb der Linkspartei hält sich diese abstruse Begründung politischen Handelns.

Menschen, die unter der Teilung gelitten haben, sind entsetzt.

Es gab nach Angaben des Museums am Checkpoint Charlie über 1000 Tote an dieser Grenze, ungezählte Familiendramen, willkürliche Inhaftierungen, Bespitzelung.

Mit Gewalt hält man keine Freunde, in der Enge kann kein Miteinander gedeihen. Denn viele verließen die DDR, weil sie sich nicht entfalten konnten und Kreativität im Keim erstickt wurde.

In dem am Montag im ZDF ausgestrahlten Spielfilm »An der Grenze« (2007) fragen die Protagonisten: »Wenn man keine Wahl hat, woher weiß man, dass man auf der richtigen Seite steht?« Nur der freie Mensch kann sich für oder gegen etwas entscheiden.

Die evangelische Kirche in der DDR nahmen viele während der Teilung als schützendes Dach wahr. Hier dachte man über die verordnete Enge hinaus. Ihre Verdienste, den Kontakt zwischen Ost und West auch auf der Ebene von Gemeinden zu halten, und der Einsatz für Gruppen und Einzelne, sind nicht hoch genug zu schätzen.

Doch bleibt ein fader Beigeschmack, wie der Religionssoziologe Detlef Pollack gegenüber dem Evangelischen Pressedienst äußert: Die Kritik der Kirchen am Mauerbau sei sehr verhalten ausgefallen. Ein geschlossener und klarer Protest aber wäre das richtige Zeichen gegen staatliche Willkür gewesen. Weil es um Menschen ging – und auch um die plötzlich geteilte Kirche.

Dietlind Steinhöfel

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]