Gedämpfte Erwartungen


Der kluge Mann baut vor, weiß der Volksmund. Das muss sich auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz gesagt haben. So hat ihr Sekretär, Pater Hans Langendörfer, nicht ganz zufällig die Erwartungen auf große Fortschritte in der Ökumene gedämpft.

Wenige Wochen vor dem Besuch des Papstes und dem Treffen mit der Spitze der evangelischen Kirche an historischem Ort will die katholische Seite die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen. Schon die Begegnung in Luthers Augustinerkloster sei etwas »Ungeheuerliches«, so Langendörfer.

Denn die Papstvisite gilt ja nicht in erster Linie dem deutschen Protestantismus, sondern der eigenen Kirche.

Natürlich kommt Benedikt XVI. bei einem Besuch im Stammland der Reformation nicht einfach an der evangelischen Kirche vorbei.

Insofern ist die Begegnung im Augustinerkloster das eigentliche Ereignis.

Doch im Grunde treiben die katholische Weltkirche andere Probleme um. Die Beziehungen zur Orthodoxie oder die Schwierigkeiten mit den Pfingstkirchen in Lateinamerika dürften für den Vatikan eine weit größere Rolle spielen. Dazu kommen Probleme mit Randgruppen oder der Priestermangel.

So wird es in Erfurt weder einen Durchbruch in der umstrittenen Frage des gemeinsamen Abendmahls geben noch wird der Papst der evangelischen Seite einen anderen Status zuerkennen. Dafür ist der Riss zu tief und dafür sind die Lehrunterschiede zu groß. Für eine Einigung an zentraler Stelle braucht es eben mehr als eine symbolische Begegnung.

Dennoch bleibt der Papst-Besuch in Erfurt ein wichtiges Signal. Wenn die evangelische Kirche das richtig einordnet, kann sich die Enttäuschung am Ende in Grenzen halten.

Martin Hanusch

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]