Gegen allen Augenschein: Mut zum Jubeln

1334987_68502097

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.
Psalm 33, Vers 12

In einen Jubelpsalm zum Fest ist leicht einzustimmen, wenn alles schön ist, wenn zigtausend Menschen in einer Stadt friedlich und fröhlich miteinander feiern und sogar das Wetter mitspielt und die Sonne auf die Herzhände der Kirchentagspräsidentin reagiert.

In einen Jubelpsalm ist leicht einzustimmen, wenn Christinnen und Christen sich als die jüngeren Geschwister des Volkes Gottes und nicht als die »Besseren« verstehen, wenn sie der Schrift der Vorfahren, dem »Ersten Testament«, genau so ein Gewicht beimessen wie dem »Zweiten Testament«.

Da sprudeln die Worte aus dem Herzen, finden Freude und Dank ihren Ausdruck.

Und die Realität? Sind Jubelpsalmen alltagstauglich angesichts eines Massenmörders mit christlich-fundamentalistischen Ideen? Sind Jubelpsalmen alltagstauglich angesichts der zunehmenden Verhärtung zwischen Israel und den arabischen Menschen, wo auf beiden Seiten offensichtlich immer mehr unbarmherzige Hardliner Mehrheiten gewinnen?

Mir bleibt der Jubel gelegentlich im Halse stecken. Und dennoch will ich mich – gerade im bedrängenden Alltag – der Zusagen Gottes besinnen und gegen meine eigene Angst und Bedrängung Lob- und Danklieder singen:

Dafür, dass es immer noch und immer wieder Liebe, Achtsamkeit und Offenheit für andere Meinungen zwischen Menschen gibt.

Dafür, dass es auch im Nahen Osten unermüdliche Friedens-Stifter und -Stifterinnen gibt.

Ich will weiter Jubelpsalmen singen, für ein angstfreies und von Gottes Menschenfreundlichkeit erfülltes Leben.

Gegen allen Augenschein will ich singen und ich lade Sie ein: Mut zum Jubeln!

Karl-Heinz Maischner

Der Autor ist Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen.

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]