Aus Gottes Nähe Kraft zu gewinnen, erfordert Demut

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Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5.5

»Du hast alles in der Hand!« So ist es in großen Buchstaben auf einem Plakat als Werbung für eine Bank, deren Namen aus Gründen der Wettbewerbsverzerrung natürlich nicht genannt werden kann, geschrieben. »Hochmut kommt vor dem Fall«, sagt der Mann, der neben mir steht und offensichtlich meine Nachdenklichkeit bemerkt hat.

Uta Krusche-Räder

Uta Krusche-Räder

Ich kann nur vermuten, was ihm durch den Kopf geht: die aktuelle Bankenkrise, die Konkurrenz um den Spitzenplatz als mächtigste Frau oder mächtigster Mann der Welt, Überschätzungen und Größenwahn in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die Allmachts- und Machbarkeitsphantasien von Menschen quer durch die Geschichte und auf den verschiedensten Gebieten oder eigene Selbstüberschätzungen.

Hochmut, Hoffart, Überheblichkeit, Arroganz – im Mittelalter galt dies als Todsünde. So bezeichnet waren Übertretungen göttlicher Gebote, bei denen die Abkehr von Gott vollzogen wird. Hochmut entfernt Menschen von Gott und verstellt den Blick füreinander.

Das gilt noch heute.

Die Demut hingegen, sich in den Machtraum Gottes und unter seinen Willen zu stellen, gewinnt aus Gottes Nähe Kraft und den freien Blick zu ihm und zueinander.

In Sprüche 34 heißt es: »Der Hochmut des Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber wird Ehre erlangen.«

Du, Gott, hast alles in der Hand. Das darf auf unserem Lebensplakat stehen. Und das ist keine Werbung für ein zweifelhaftes Produkt, sondern für ein Leben, das aus der Liebe Gottes kommt und bleibend ist. Dieses Bekenntnis öffnet uns den Blick für Gott.

Alles können wir aus seiner Hand nehmen. Und diese Demut macht den Blick frei füreinander. Was für ein Lebensplakat.

Uta Krusche-Räder

Die Autorin ist Superintendentin des Kirchenbezirks Pirna.

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