Die Einheit der Landeskirche im Blick

Etwa 800 sächsische Pfarrerinnen und Pfarrer singen zur Andacht beim Pfarrertag in der Chemnitzer Stadthalle. (Foto: R. Blende)

Etwa 800 sächsische Pfarrerinnen und Pfarrer singen zur Andacht beim Pfarrertag in der Chemnitzer Stadthalle. (Foto: R. Blende)

Bischof Bohl mahnt beim Pfarrertag zur Mäßigung beim Streit um homosexuelle Paare.
 

Die Stadthalle in Chemnitz war am 1. September gut gefüllt. Etwa 800 sächsische Pfarrer und Pfarrerinnen waren zu ihrer turnusmäßigen Dienstbesprechung mit dem Landesbischof in die Industriemetropole gekommen – auch um den Heidelberger Theologieprofessor Michael Welker zum Thema »Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften« zu hören.

Dieser plädierte in seinem Vortrag dafür, dass sich beide Seiten im Dialog gegenseitig befruchten sollten. Dieser Dialog sei jedoch dadurch erschwert, dass »kaum ein Wissenschaftler an beiden Forschungsfronten herausragend tätig« sei. Speziell die Theologie könne einen Beitrag leisten, wenn es um das schöpferische Wirken Gottes in kosmischen, biologischen, kulturellen und religiösen Lebensbereichen gehe.

In seinem Grußwort hatte Mini­sterpräsident Stanislaw Tillich ein entspanntes Verhältnis zwischen Freistaat und Kirchen festgestellt. Die Kirchen böten ein moralisches Gerüst, an dem sich auch Nichtchristen festhalten könnten, sagte der Katholik Tillich den evangelischen Geistlichen. »Ich bin der Auffassung, dass Sachsen keine religionsfreie Zone ist«, fügte er hinzu.

Landesbischof Jochen Bohl ging in seiner Ansprache zur Lage der Landeskirche auf die zwei zur katholischen Kirche konvertierten Pfarrer ein. Er könne sich ihre Schritte nur mit Gewissensnöten erklären, sagte er und appellierte an die Pfarrer, in solchen Fällen das Gespräch zu suchen, auch untereinander. Darüber hinaus beabsichtige er, diese Vorgänge bei der römisch-katholischen Kirche anzusprechen.

Ausführlicher sprach der Bischof über das neue Pfarrerdienstgesetz der EKD, speziell den Paragrafen 39. Dieser Paragraf handelt von der Lebensführung der Pfarrerinnen und Pfarrer in Ehe und Familie und enthält als Novum die Bezeichnung »familiäres Zusammenleben«, um gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzuschließen.

Das Gesetz soll durch die Landessynode in Kraft gesetzt werden. Jedoch werde es dabei keine besonderen Ausführungsbestimmungen zu Paragraf 39 geben, so Bohl. In Sachsen bleibe alles wie bisher. »Wie damit umzugehen ist, gestaltet unsere Landeskirche selbst«, so der Bischof. Der Umgang mit Homosexualität habe sich in den letzten Jahren sehr geändert. In der sächsischen Landeskirche sei das Thema unverändert von Spannungen gekennzeichnet. »Es gibt starke Stimmen, die wollen, dass es bleibt wie bisher«, so Bohl.

Es gebe aber auch Stimmen, vor allem aus den Großstädten, die eine Veränderung anstrebten. Die Landeskirche habe deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die der Kirchenleitung ihren Abschlussbericht im Oktober vorlegen werde.

»In diesem schwierigen Prozess weiß sich die Kirchenleitung in allererster Linie der Einheit der Landeskirche verpflichtet«, sagte der Bischof dazu. Bohl kritisierte zugleich den Sprachgebrauch »von Amtsbrüdern« im Vorfeld der Entscheidung. »Ich mahne zu Mäßigung und dringe darauf, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit einander respekt- und liebevoll begegnen«, so Bohl.

Im Gottesdienst in der Petrikirche wurde am Nachmittag Peter Meis in seinen neuen Dienst als Oberlandeskirchenrat eingeführt.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]