Pflege nur noch für Reiche?

FotoIm Streit um die Zukunft der Pflegeversicherung bahnt sich eine Grundsatzentscheidung an. Politiker wie Bundesgesund­heits­mi­nister­ Daniel Bahr (FDP) setzen auf eine private Zusatzversicherung.

Mehr Eigeninitiative – das mag manchem als berechtigte Forderung erscheinen. Doch setzt sich diese Position durch, wird damit der Weg in eine Zwei-Klassen-Pflege eingeschlagen: Rundum-Betreuung für die Reicheren, Minimalversorgung für alle, die im Berufsleben wenig beiseitelegen konnten.

Dass sich etwas verändern muss, soll die Pflege immer mehr Älterer finanzierbar bleiben, steht außer Zweifel. Doch am solidarischen Grundprinzip darf es keine Abstriche geben. Ob jemand im Alter auf fremde Hilfe angewiesen sein wird, kann er durch eigene Leistung nicht beeinflussen. Ihn angemessen zu pflegen, ist eine Frage der menschlichen Würde, nicht seines Jahresgehalts. Der Vorschlag der Diakonie, bei der Beitragsberechnung neben dem Arbeitseinkommen auch Kapital- und Mieterträge zu berücksichtigen, ist der richtige Weg.

Die Strategie, durch mehr Wettbewerb die Pflegekosten zu minimieren, hat sich als Irrweg erwiesen. Angemessene Pflege hat ihren Preis. Wer Anreize zum Kostendumping schafft, kann nicht auf der anderen Seite die Einhaltung hoher Qualitätsstandards und Bezahlung der Pflegekräfte nach Tarif fordern.

Klare Kriterien dafür, was ein Pflegebedürftiger braucht, sind nötig. Sie sollten Maßstab für die Finanzierung sein. Reduziert werden muss dafür der bürokratische Aufwand, der Pflegekräfte von ihrer eigentlichen Arbeit abhält. Gebraucht werden künftig auch neue Formen: Netzwerke der Hilfe, die pflegende Angehörige, Ehrenamtliche und die Ressourcen von Pflegeheimen effektiv miteinander verbinden.

Tomas Gärtner

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]