Ins Gesicht des Nächsten sehen und dort Gott erkennen

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25, Vers 40


Im Gesicht der Menschen Gott sehen. Jesus hat es so seinen Jüngern vorgelebt. Er blieb bei dem Gelähmten stehen. Er berührte den Blinden und richtete die Gebeugten auf. Jesus nimmt Ausgestoßensein, Armut, Krankheit und Hunger nicht einfach hin. So will er es auch von seinen Jüngerinnen und Jüngern.

  • Aus diesem Grund ist Stefanie Vogel nach einem ersten Besuch in einem rumänischen Waisenhaus vor sieben Jahren jetzt immer noch dort. Sie hat inzwischen Kinder adoptiert und hilft denen, die im Waisenhaus bleiben müssen.
  • Aus diesem Grund ist aus dem Hirtenjungen der Massai Ole Ronkei der Direktor eines Hilfswerkes geworden, das vor allem für Bildung sorgt, damit die Kinder eine Chance auf ein besseres Leben haben.
  • Aus diesem Grund gibt es das »One for One«-Projekt. Blake Mycoskie brauchte eine Auszeit vom Alltag. In Argentinien erlebte er Kinder ohne Schuhe. Seine Idee setzte er sofort um: Für ein Paar verkaufte Schuhe verschenkt er ein Paar an diese Kinder. Denn wer keine Schuhe hat, darf nicht am Unterricht teilnehmen.
Uta Krusche-Räder

Uta Krusche-Räder

Ich bin sicher, viele solcher Geschichten gibt es unter uns. Aber ich bin auch sicher, dass es noch nicht genügend davon gibt. Sie sind untrennbar mit unserem Christsein verbunden und machen es taghell in unserer Welt.

So erzählt es jedenfalls die Geschichte des Rabbi, der seine Schüler fragt, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt. »Es wird Tag, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und in ihm deinen Bruder oder deine Schwester erkennst. Bis dahin ist noch Nacht bei uns.«

Uta Krusche-Räder

Die Autorin ist Superintendentin des Kirchenbezirks Pirna.

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]