Besuch vom fremden Papst

Der Papst war da und hatte kein Geschenk mit. Egal, Millionen freuten sich auch so wie beim Besuch eines selten gesehenen Vaters.

Auch Protestanten konnten sich dem nicht ganz verschließen, als Benedikt in Erfurt der Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, leise nickend zuhörte, als er Luther lobte und sich vom EKD-Ratsvorsitzenden Schneider fast umarmen ließ. Aber eben nur fast.

So wie diese Geste hatte vieles von dem, was der Papst in Deutschland tat und sprach, etwas Indirektes, Verschlüsseltes – letztlich etwas zutiefst Distanziertes. Dabei vermischt sich der Habitus des schüchternen Gelehrten mit seiner Theologie: Dass das Wort Gottes etwas Unzeitgemäßes, Unbequemes und Fremdes ist.

Das provoziert – auch die evangelische Kirche. Gut so. Denn bei aller berechtigten Kritik können auch die Protestanten von ihm lernen: Das Unbequeme und Fremde der Botschaft Gottes auszuhalten und zu verkünden.

Die spannende Frage wäre dann nur: Wo liegt der Kern dieses irritierenden – man könnte auch sagen: heiligen – Wortes Gottes? Liegt er in der Ablehnung von Frauen im Priesteramt, in der Verurteilung homosexueller Partnerschaften, in der Trennung beim Abendmahl? Oder liegt er in der bedingungslosen Liebe Gottes zu allen Menschen – in einem Ja, das zum Nein werden muss für menschenfeindliche Regeln überall, auch in den Kirchen?

Schade, dass Benedikt nicht bereit war zu einem wirklichen Gespräch, zum Zuhören und Ringen um die Wahrheit. Es wäre eines Gelehrten würdig gewesen – und erst recht eines Vaters.

Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]