»Mehr Werbung geht nicht«

Grimmaer Kirchgemeinde wirbt für Glaubenskurs – doch Nicht-Christen lässt das kalt

Pfarrerin Beate Schelmat-von Kirchbach und der Grimmaer Pfarrer Christian Behr haben mit viel Werbung zum Glaubenskurs in die Rathaus-Galerie eingeladen - aber Nichtchristen fühlten sich nicht angesprochen.<br />
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<p class=Pfarrerin Beate Schelmat-von Kirchbach und der Grimmaer Pfarrer Christian Behr haben mit viel Werbung zum Glaubenskurs in die Rathaus-Galerie eingeladen – aber Nichtchristen fühlten sich nicht angesprochen.
(Foto: Uwe Winkler)

Die Türen der Rathaus-Galerie sind weit geöffnet. Klaviermusik dringt aus dem kleinen Gebäude, sie soll Spaziergänger auf dem Grimmaer Marktplatz anlocken. Sie soll ansprechen und einladen – genau wie der Aufsteller am Eingang, wie so viele Plakate in Grimmaer Schaufenstern, Geschäften, Schaukästen, wie die großen Transparente an Kirchtürmen oder dem Fußballstadion, wie die an Mitarbeiter der Diakonie verschickten Postkarten oder wie der Werbespot im Regionalfernsehen.

Mit verschiedensten Mitteln hat Beate Schelmat-von Kirchbach zusammen mit der Kirchgemeinde Grimma versucht, auf die Initiative »Erwachsen glauben« der Evangelischen Kirchen in Deutschland aufmerksam zu machen und Nichtchristen zu einem Glaubenskurs einzuladen. Vergeblich.

Zum Auftakt des Kurses »Spur8« blickt die Pfarrerin für missionarische Projekte im Kirchenbezirk Leipziger Land nur in etwa zehn vertraute Gesichter – die meisten davon haben bei der Vorbereitung des Kurses geholfen.

Auch bei der zweiten und dritten Veranstaltung bleibt das so, weshalb aus dem Glaubenskurs für Nichtchri­sten ein Gesprächsabend für Christen geworden ist. »Auch diese Gespräche über den Glauben sind wichtig«, ist Jens Ranft froh, dass die Treffen mangels Beteiligung nicht ganz ausfallen. Doch wie alle anderen Mitorganisatoren fragt sich auch der 28-jährige Kirchenvorstand, warum niemand sonst auf die massive Werbung reagiert hat.

»Wir haben wirklich alles gemacht«, sagt Pfarrerin Schelmat-von Kirchbach enttäuscht, »mehr geht einfach nicht«. Sie wisse jetzt, dass der Glaubenskurs nicht über diese Art der Werbung funktioniere. »So etwas entsteht über Beziehungen.«

Darin stimmt sie mit Christian Behr überein: »Glaube ist etwas Privates. Vielleicht bedarf es dafür keines öffentlichen Raumes, sondern eines geschützten, wie dem des Pfarrhauses«, überlegt der Grimmaer Stadtpfarrer. Trotzdem solle Kirche in der Öffentlichkeit stehen, verteidigt er die Werbung.

Für seine Frau Cornelia Behr ist die Werbeaktion keine vergebliche Mühe: »Man muss irgendwann mal etwas wagen. Vielleicht wurden die Aushänge trotzdem wahrgenommen.«

Torsten Reiprich hat sich die Mühe von großer Werbung nicht gemacht: »Ich glaube, es geht über das Persönliche«, erzählt der Pegauer Pfarrer zu seinem derzeitigen »selbstgestrickten Glaubenskurs«.

Über die Internetseite kurse-zum-glauben.de sei zumindest eine Anmeldung zum Kurs zustande gekommen, die anderen vier Erwachsenen hätten aus persönlichen Gesprächen heraus zum Glaubenskurs gefunden.

Uwe Naumann

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]