Alles selbstverständlich?

warten
 

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Psalm 145, Vers 15

Wer, wie ich, glücklich verheiratet ist und auch noch Kinder hat, dem geht der erste Teil dieses Wochenspruches sicher auch sehr häufig durch den Kopf. Du sitzt im Auto. In zwanzig Minuten beginnt die Veranstaltung. Eigentlich waren alle fertig – aber Du sitzt hier allein, deine Augen starren gebannt auf die Haustür und du sehnst dich danach, dass die geliebte Familie endlich aus dem Haus kommt …

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde. (Foto: Andreas Wohland)

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde. (Foto: Andreas Wohland)

»Aller Augen warten auf dich, Herr!« – den Psalmisten scheinen Wartezeiten zwar auch zu stören, aber ich denke nicht, dass er ähnliche Negativgefühle Gott gegenüber hegt, wie ich ab und an gegenüber meiner Familie.

Unser Wochenspruch steht vielmehr in einem der schönsten Danklieder des Psalters. Weil er die Schöpfung in ihrer Herrlichkeit kaum fassen kann, weil die Nahrung wie durch ein Wunder auf den Feldern wächst, fällt der Dichter auf die Knie vor dem, der das alles erfunden hat: »Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.«

Dank der großartigen Errungenschaften der modernen Naturwissenschaften wissen wir heute noch besser, welch gigantisches System hinter der Schöpfung steckt – loben wir deshalb mehr?

Auch fünf Minuten bevor der Bäcker schließt, kann ich ein Brot kaufen. Zu jeder Jahreszeit gibt es frisches Obst und Gemüse. Schauen unsere Augen deshalb mehr auf den Herrn?

Anders als der Dichter des alttestamentlichen Psalms, wissen wir auch über Gott viel mehr, als jener zu ahnen wagte: Wir kennen Jesus und haben eine unendliche Zukunft vor uns.

Merken das unsere Nachbarn? Vielleicht ist diese Woche die »rechte Zeit«, auf diese Fragen Antworten zu geben.

Jens Buschbeck

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]