Zehn Jahre Krieg

armyAm 7. Oktober 2001 wurden mit Unterstützung von US-Truppen die Taliban aus Kabul vertrieben. Der Afghanistan-Krieg hatte begonnen. Heute, zehn Jahre später, erscheint die Bilanz dieses Militäreinsatzes als desaströs.

Mehr als 100.000 Soldaten sind heute dort im Einsatz. Die meisten davon Amerikaner. Aber auch rund 5.000 Bundeswehrangehörige. Über 2.700 Soldaten sind getötet worden, darunter 53 deutsche, dazu drei deutsche Polizisten.

Über die Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt es nur Schätzungen. Sie schwanken zwischen 2.700 und 4.000 Toten pro Kriegsjahr. Schätzungsweise 140 Milliarden US-Dollar kostet der Einsatz jährlich. Die Bundesrepublik gab 2010 etwa 935 Millionen Euro dafür aus.

Immerhin, die Taliban regieren das Land nicht mehr. Doch die Sicherheitslage hat sich nach Ansicht von Experten eher verschlechtert. Dieses Land durch Truppeneinsatz zu befrieden, hat sich als Irrtum erwiesen.

Das Fatale ist: Die NATO-Soldaten und ihre Verbündeten sind mittlerweile selbst Teil des Problems geworden. Sie haben neue Anlässe für neue Konflikte geschaffen. Auch das erschwert nun den bis 2014 geplanten Abzug aller ausländischen Truppen.

Operation gescheitert – dieses Eingeständnis könnte endlich zur Erkenntnis führen, dass Militäreinsätze allenfalls für einen Moment Schlimmeres verhindern können, doch nie langfristig befrieden. Das kann nur aus dem Inneren des Landes geschehen. Für die Unterstützung von Kräften in Afghanistan, die zivile Konfliktlösungen anstreben, wären die Militärmilliarden allemal sinnvoller ausgegeben worden.

Gelegentlich wurden all jene in den Kirchen, die dafür stritten, als blauäugig belächelt. Angesichts der Kriegsbilanz aber haben sie sich als die eigentlichen Realisten erwiesen.

Tomas Gärtner

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]