»Gute Karten für Bewerber«

Unbesetzte Pfarrstellen und Strategien gegen einen Fachkräftemangel – Fragen an Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner, den Personaldezernenten der Landeskirche.

Im Dresdner Landeskirchenamt arbeitet Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner daran, dass auch in Zukunft genug Pfarrer für Sachsens Pro­testanten zur Verfügung stehen. (Foto: Steffen Giersch)

Im Dresdner Landeskirchenamt arbeitet Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner daran, dass auch in Zukunft genug Pfarrer für Sachsens Pro­testanten zur Verfügung stehen. (Foto: Steffen Giersch)

Herr Lerchner, droht nun auch der Kirche wie der Wirtschaft und der sozialen Arbeit ein Fachkräfte-Mangel?
Lerchner: In Bezug auf die Theologen nicht. Die Zahl der Absolventen, die wir derzeit überblicken, wird ausreichen. Andere Landeskirchen haben jetzt schon einen höheren Bedarf an Bewerbern, als sie decken können. Es gibt allerdings immer Grund, für die Berufe im Verkündigungsdienst zu werben.

Werden denn nicht in den nächsten Jahren sehr viele Pfarrer in den Ruhestand gehen?

Lerchner: Die Delle tritt mit dem Ruhestand der Pfarrer ein, die von 2013 an 65 Jahre alt werden. Dann gehen pro Jahr 33 bis 36 Theologen in den Ruhestand.

Wie wollen Sie das auffangen?
Lerchner: Wir wollen 2014 doppelt so viele Absolventen in das Vikariat aufnehmen und einmalig einen zweiten Kurs im Predigerseminar eröffnen. Parallel zu dieser Entwicklung geht eine Strukturanpassung in unserer Landeskirche einher, so dass ab 2014 von heute 590 Gemeindepfarrstellen 30 wegfallen werden. Um die frei werdenden Stellen zu besetzen, werden wir in den kommenden Jahren jeweils 15 bis 18 Absolventen in das Vikariat aufnehmen.

Was ist mit den offenen Pfarrstellen, die schon heute längere Zeit unbesetzt bleiben?
Lerchner: Auch wenn jede Vakanz für eine Kirchgemeinde schmerzlich und schwer zu überbrücken ist: Aus personalpolitischer Sicht haben wir zu wenig offene Stellen. Wir brauchen von ihnen eine gewisse Zahl, um Pfarrern einen Wechsel zu ermöglichen, die sich entwickeln wollen oder in deren Gemeinde es einen Konflikt gibt. Allerdings dauert eine Vakanz nicht länger als ein Jahr. Wünschenswert ist es, dass sich Pfarrer für schwer zu besetzende Stellen zur Verfügung stellen.

Wie sicher sind Ihre Prognosen? Immerhin hat sich auch mancher in der Wirtschaft geirrt.
Lerchner: Wir wissen ziemlich genau, welche Einkünfte wir in den kommenden Jahren haben werden und wie viele Stellen. Und es zeichnet sich nicht ab, dass wir zu wenige Bewerber haben werden. Die Zahl der Theologiestudenten auf der Liste unserer Landeskirche deckt sich etwa mit unserem Bedarf.

Heißt das, dass jeder Bewerber übernommen wird?

Lerchner: Jeder, der geeignet ist und das Evangelium kommunizieren kann, hat gute Karten, in unserer Landeskirche eine Stelle zu bekommen. Niemand, der Pfarrer werden will und geeignet ist, bekommt heute in Deutschland keine Stelle. Die Situation hat sich im Vergleich zur Lage vor zehn Jahren kolossal verändert.

Theologiestudenten hörten in der Vergangenheit oft widersprüchliche Signale: Mal wurden sie gebraucht, mal nicht. Hat die Landeskirche da Fehler gemacht?
Lerchner: Es hat Irritationen gegeben, das stimmt. Deshalb bin ich dankbar, dass wir jetzt in Absprache mit dem Finanzdezernat klare Aussagen für künftige Bewerber machen können.

Andere Landeskirchen suchen händeringend nach Pfarrernachwuchs. Werden da auch sächsische Absolventen abgeworben?
Lerchner: Nicht direkt. Aber es ist schon so, dass die Vikare um diese Situation wissen und im guten Sinne selbstbewusst damit umgehen. Sie sind nicht mehr so unsicher und angstbesetzt wie vor acht Jahren, als sie fürchten mussten, nicht übernommen zu werden. Dass sich das geändert hat, finde ich gut. Junge Pfarrer müssen auch eckig und kantig sein dürfen.

Die Fragen stellte Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]