Glücklich durch Glauben?

glueckMacht der Glaube die Menschen glücklicher?

Verschiedentlich haben vor allem amerikanische Studien versucht nachzuweisen, welche positiven Auswirkungen die Religion hat. »Glaube hält gesund« oder »Religion macht glücklich«, heißt es dann gerne.

Nun haben Psychologen der Berliner Humboldt-Universität und der Universität von Southampton die Probe aufs Exempel gemacht und bei einer Studie zur Religiosität die anonymisierten Daten von 200.000 Kunden einer Partnervermittlung aus elf europäischen Ländern ausgewertet.

Dass sich gläubige Menschen besser fühlen als solche, die nicht glauben, lässt sich danach nicht ohne Weiteres nachweisen. So unterscheiden sich in weniger religiösen Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden gläubige und nicht gläubige Menschen kaum im Wohlbefinden. Dagegen zeigen sich die Menschen in stärker religiös geprägten Ländern wie Polen oder Russland deutlich zufriedener.

Offenbar sorgt der Glaube an sich noch nicht für ein gutes Gefühl, höchstens dort, wo der Umgang mit Glauben und Religion ohnehin ganz selbstverständlich dazugehört.

Wer glaubt, wird eben nicht automatisch selig. Weder ist Glauben ein Schalter, den man einfach umlegen kann, noch ist die Bibel ein Ratgeber mit Anleitung zum Glücklichsein.

Ohnehin ist es ein großes Missverständnis, den Glauben allein unter Nützlichkeitsaspekten zu betrachten. Natürlich: Wer glaubt, sieht die Welt in einem anderen Licht.

Aber eine Gewähr, dass es einem damit immer besser geht, ist das nicht.

Schließlich dreht sich Religiosität nicht nur um das eigene Wohlbefinden, sondern darum, Gott die Ehre zu geben, für andere da zu sein und den Glauben in einer Gemeinschaft zu leben. Erst dann macht Glauben wirklich glücklich.

Martin Hanusch

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]