Überwindet die Angst

gayIn der Debatte um homosexuelle Partnerschaften hört man untergründig vor allem eines: Angst. Die einen ängstigen sich um die Treue zur Bibel, die anderen sorgen sich um das christliche Zeugnis der Liebe – und die Leitung der Landeskirche fürchtet ein Zerbrechen der kirchlichen Einheit.

Angst aber ist ein schlechter Ratgeber. Sie ist auch kein theologischer Maßstab. Im Gegenteil: »Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben«, schreibt Paulus im 2. Timo­theusbrief, »sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.«

Doch in dieser Diskussion geht es im Kern um Wahrheit – und das macht das Gespräch so schwierig.

Die Kirchenleitung hat einen Diskussionsprozess über Homosexualität angestoßen und dafür eigens eine Arbeitsgruppe beauftragt.

Das ist gut.

Nur findet dies bislang unter peinlich genauem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch das hat mit Angst zu tun. Man kann das verstehen.

Doch wird es – wie auch immer die Meinungsbildung der Kirchenleitung ausgeht – zu dem Verdacht führen, dass da etwas von oben dekretiert werden soll.

Für eine wirkliche theologische Klärung und den Frieden in der Landeskirche wäre eine breite, offene Diskussion besser. Es wird auf Synoden, in Gemeinden und Konventen darum gehen müssen, aufeinander zu hören – und einander die Angst zu nehmen.

Mit dem Geist des Gesetzes, mit einem Ping-Pong von Bibelstellen wird das kaum gelingen.

Jesus ging einen anderen Weg bei seinen ethischen Urteilen. Er sprach nicht über abstrakte Normen, sondern sah zuerst den Menschen an, der im Zentrum des Konflikts steht: ein Ebenbild Gottes. Daran wird sich auch eine Diskussion über Homosexualität messen lassen müssen, wenn sie sich auf das Evangelium beruft.

Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]