Manchmal braucht es Mut, die Geschwister zu lieben

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Johannes 4, Vers 21

herz
Der Schreiber der Johannesbriefe muss seine Pappenheimer gut gekannt haben. Fromme Leute waren sie sicher. Und mit Sicherheit wollten sie so leben, dass Gott sich über sie freut. Aber mal unter uns: Wir könnten wirklich »bessere« Christen sein, wenn uns die anderen nur ließen!

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde. (Foto: Andreas Wohland)

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde.
(Foto: Andreas Wohland)

Ich erlebe oft, dass die Vertikale, der Bezug zu Gott, uns leichter fällt als die Horizontale – der Bezug zu unseren Mitchristen, die die Bibel stets als eine Familie bezeichnet.

Sie tut das aus gutem Grund: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie nicht. Den Bruder, die Schwester lieben? Auch wenn …?

Ja. Darin zeigt sich unser Verhältnis zu Gott, sagt schon Jesus selbst.

Aber das ist so eine Sache. Nicht jeder ist mir immer sympathisch und in der Gemeinde prallen derart unterschiedliche Menschen aufeinander, dass es immer schwerer wird, sie unter einen Hut zu bekommen.

Der postmoderne Individualismus hat unsere Gemeinden längst erreicht und schon lange diskutieren wir nicht mehr nur die Frage, wie alt denn das Liedgut im Gottesdienst sein kann.

Der erste Johannesbrief macht deutlich, was das Bindeglied einer Gemeinde mit unterschiedlichsten Menschen, Ansichten, Einstellungen und Vorlieben sein kann: die Liebe Gottes.

»Agape« steht im griechischen Urtext und wenn man dieses Wort einmal in seinem wirklichen Sinn übersetzt, ist dies die Liebe, die man einem anderen zuwendet, nicht weil er so liebenswert ist, sondern weil er diese Zuwendung braucht.

Gott hat es vorgemacht, uns geliebt, seinen Sohn hingegeben – aus seiner freien Entscheidung heraus. Er fordert uns auf, die Entscheidung zur Agape den Geschwistern gegenüber genauso zu treffen.

Haben Sie Mut zu dieser Entscheidung!

Jens Buschbeck

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]