Bischöfe und ihre Autos

Nicht nur heiße Luft: Auch die Dienstwagen deutscher Kirchenleiter stoßen Schadstoffe aus. Und das teilweise mehr als nötig, meint jedenfalls die Deutsche Umwelthilfe.

Nicht nur heiße Luft: Auch die Dienstwagen deutscher Kirchenleiter stoßen Schadstoffe aus. Und das teilweise mehr als nötig, meint jedenfalls die Deutsche Umwelthilfe.

 

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Kirchenleiter mit zu viel »Benzin im Blut«

 
Erstmals hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in diesem Jahr den CO2-Ausstoß bischöflicher Dienstfahrzeuge systematisch untersucht. »Das Ergebnis ist enttäuschend: Viele Bischöfe predigen ihren Kirchengemeinden richtigerweise die Notwendigkeit des Klimaschutzes, haben aber selbst Benzin im Blut«, so der DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Nur vier leitende Kirchenvertreter, nämlich die bremische Präsidentin Brigitte Böhme, der westfälische Präses Alfred Buß, der schaumburg-lippische Bischof Karl-Hinrich Manzke und der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber erhielten die »grüne Karte«, weil ihr Dienstwagen unter dem von der EU vorgegebenen CO2-Zielwert für 2008, nämlich 140 Gramm pro Kilometer, lag. Besonders vorbildlich: Als einzige Kirchenvertreterin benutzt Brigitte Böhme ein Erdgasauto, das lediglich 128 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt.

»Klimawandel – Lebenswandel« hieß das Themenjahr der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das kürzlich zu Ende ging. Doch das Verhalten von Landesbischöfin Ilse Junkermann sei in diesem Zusammenhang »zweifelhaft« gewesen, kritisiert die DUH.

»Nach dem Auslaufen ihres Leasingvertrags stieg die Bischöfin auf eine 245 PS starke BMW-Limousine um, die das Klima mit ­einem CO2-Ausstoß von insgesamt 180 Gramm pro Kilometer stärker ­belastet als ihr vorheriges Fahrzeug«, sagte die DUH-Mitarbeiterin Amrei Münster am Dienstag vor Journalisten in Berlin.

Dem widersprach die Bischöfin allerdings in einer Stellungnahme. Der neue 730er BMW habe die gleiche ­Maschine wie das Vorgängermodell, ein 530er BMW. Und der Umstieg sei nicht aus Fahrlust, sondern auf ärztlichen Rat erfolgt: Wegen eines drohenden Bandscheibenvorfalls und der durchschnittlich 4000 bis 5000 monatlich zurückzulegenden Fahrkilometer habe sie ein Auto mit verstellbarem Rücksitz gesucht. Darüber hinaus habe sie ihren Fahrer schon seit Langem angewiesen, aus Umweltgründen mit dem Dienstwagen die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h einzuhalten.

Während die Umwelthilfe Ilse Junkermann die »Rote Karte für Übermotorisierung und zu hohe CO2-Emissionen« erteilte, schnitten Sachsens Landesbischof Jochen Bohl und Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig besser ab. Bohls BMW 530d und Liebigs BMW 535d erhielten mit 160 beziehungsweise 162 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer die »Gelbe Karte« für positive Ansätze bei der Schadstoffreduktion.

Größter Umweltsünder ist im Übrigen der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, dessen VW Phaeton 228 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt. Bis auf einen Skoda Superb des Oldenburger Bischofs Jan Janssen fahren alle Kirchenleiter deutsche Fabrikate und fast alle obere Mittelklasse.

Den kleinsten, einen Golf plus, fährt der mecklenburgische Bischof Andreas von Maltzahn.

Benjamin Lassiwe/GKZ

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]