Jeremias Schrei gegen die Verletzungen in der Kirche

Wort zur Woche

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.
Jeremia 17, Vers 14

Da hat es einer echt satt. Vergeblich versuchte er, angesichts innerer und äußerer Bedrohung seine Mitbürger aufzurütteln und aus politischer und geistlicher Lethargie zu reißen – völlig umsonst.

Jeremia wird verlacht, verspottet und von politischer Elite und geistlichem Establishment zur Unperson erklärt. Niemand interessiert sich für seine Kritik an sozialen und geistlichen Verhältnissen. Anderes ist wichtiger: Die Frage, wie man der Inflation im eigenen Land begegnet, wie man die Großmächte bei Laune hält, damit die nicht kommen und das Land ausrauben.

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde. (Foto: Andreas Wohland)

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde. (Foto: Andreas Wohland)

Keiner achtet auf diesen religiösen Spinner, der behauptet: »Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt«. Mag ja sein, dass Religion nicht schlecht ist – aber derzeit hat man andere Sorgen.

Vor einigen Wochen sagte ein Papst in Deutschland: »Wichtig ist, dass dieses Land wieder über sein Verhältnis zu Christus nachdenkt!« Kirchliche und weltliche Medien meinten am Ende seines Besuches, er habe zu den »wesentlichen Fragen der Zeit« nichts gesagt.

Haben wir es 2600 Jahre nach Jeremia denn immer noch nicht gecheckt? Begreifen wir den Auftrag unserer Kirche wirklich nicht? Das »Heil« wird es nicht durch gutmeinenden Humanismus, eine neue Wertediskussion oder ausgefuchste Parteiprogramme geben – Heil kommt von Gott.

Das ist die Predigt des Jeremia und diese Predigt lässt ihn vereinsamen so wie manchen Bruder und manche Schwester auch heute. So wie Jeremia fühlen sie sich verletzt, gerade angesichts der verschiedenen inhaltlichen Diskussionen in unserer Landeskirche, geht es nun um umstrittene Paragrafen oder Strukturanpassungen.

Natürlich will keiner dem anderen wehtun und dennoch passiert es, wie schon damals bei Jeremia. Von ihm will ich lernen, mit unterschiedlichen Verletzungen auch innerhalb der Kirche umzugehen.

Jeremia benennt Dinge klar und deutlich, hält mit seiner Sicht der Dinge nicht hinter dem Berge. Aber er weiß, wer seinem Volk Heil und Heilung schenken kann: Gott selbst. Sein Gebet, seinen Schrei richtet er nicht gegen Menschen oder Umstände sondern an die Adresse des Herrn.

Eine Kirche die gemeinsam betet, ist in der Lage, gemeinsam »heil« zu werden.

Jens Buschbeck

Jens Buschbeck ist Pfarrer der Zwickauer Luther-Kirchgemeinde.

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