Projektpartner ziehen erfolgreiche Bilanz in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Diensthundewesens

Ziel3/Cíl3 – Projekt am Ziel – Die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge arbeitet seit mehreren Jahren eng mit den im Zuständigkeitsbereich angrenzenden Polizeidienststellen der Tschechischen Republik zur weiteren Festigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im grenznahen Raum zusammen.

Nachdem bereits im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative Interreg III A erfolgreich auf den Gebieten der Prävention, der Erhöhung der Verkehrssicherheit und der Tätigkeit geschlossener Einheiten zusammengearbeitet wurde, starteten im Mai 2009 gleich drei Projekte im Nachfolgeprogramm Ziel 3/Cíl 3, die mit der damaligen Bezirksverwaltung Nordböhmen, jetzt Bezirksdirektion Ústí, vereinbart wurden.

Die Projekte Diensthundewesen und Extremismusbekämpfung werden dabei in Regie der Inspektion Prävention/Zentrale Dienste bei der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge verwirklicht.
Am 2. November 2011 trafen sich die Leiter der Partnerdienststellen, Polizeipräsident Uwe Reißmann und Brigadegeneral JUDr. Jiři Vorálek sowie die für das Diensthundewesen zuständigen Leiter zum Abschluss des Projektes „Diensthundewesen“.

Das „Diensthundeprojekt“ beinhaltet die länderübergreifende Zusammenarbeit der Diensthundeführer der beiden Partnerdienststellen. Die gemeinsamen Aktivitäten haben das Ziel, die Dienststellen in die Lage zu versetzen, bei Großeinsatzlagen, bei der Verhinderung und Bekämpfung von Straftaten sowie bei der Suche nach Vermissten auch die Diensthunde beider Länder effektiv und wirksam einsetzen zu können. Dazu gehört vor allem der Einsatz von Spezialhunden, wie zum Beispiel von Fährtenhunden bzw. Sprengstoff-und Rauschgiftspürhunden.

Seit Mai 2009 wurden die Vorhaben des Projektes „Verbesserung der Sicherheit im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet“ (Diensthundewesen)“ mit Leben erfüllt. Regelmäßig treffen sich die Diensthundeführer, um bei gemeinsamer Fortbildung auch voneinander zu lernen, bei Streifen beiderseits der gemeinsamen Grenze sowohl Ortskenntnis zu bekommen, als auch die polizeilichen Schwerpunkte in der Partnerregion kennen zu lernen. Alle diese Maßnahmen sollten nicht zuletzt auch zum persönlichen Näherkommen führen.

Seit Oktober 2009 waren und sind in den Streifenbereichen Marienberg/Reitzenhain, Annaberg/Bärenstein und Deutscheinsiedel/Neuhausen monatlich gemeinsame Streifen unterwegs. Unterstützt werden die Diensthundeführer von Beamten des jeweils zuständigen Polizeireviers Annaberg, Marienberg oder Freiberg. Ausgangspunkte sind meist die jeweiligen Grenzübergangsstellen. In den Monaten April bis September bestreiften die Diensthundeführer wöchentlich die ausgewählten Bereiche. In den übrigen Monaten waren bzw. sind es mindestens zwei gemeinsame Streifen. Besonders in den Sommermonaten wurden die Streifenzeiten auf die späten Abend- und Nachtstunden gelegt, um auch potenziellen Tätern ein „Zeichen“ zu setzen, dass deutsche und tschechische Polizisten zur Erhöhung der Sicherheit unterwegs sind. Spektakuläre Fahndungserfolge konnten die Beamten bisher nicht verzeichnen, wichtiger sind jedoch die Akzeptanz der Bürger, die vielfach zum Ausdruck gebrachte Zustimmung zur gemeinsamen polizeilichen Tätigkeit und die Erhöhung des subjektiven Sicherheitsgefühls.
Mittlerweile haben sich auch die Autofahrer daran gewöhnt, dass bei Verkehrskontrollen auch Polizisten aus dem Nachbarland mit dabei sind.

Um sprachliche Hürden besser zu überwinden, haben Diensthundeführer der PD Chemnitz-Erzgebirge Intensiv-Lehrgänge in Prag besucht. Die Fortschritte in der Kommunikation machen sich bei allen gemeinsamen Maßnahmen bemerkbar, wie zum Beispiel den Streifengängen im Grenzgebiet. Die finden jetzt ohne Dolmetscher statt.

Gemeinsame Streifen gehören mittlerweile fast zum polizeilichen Alltag der Diensthundeführer der Projektpartner PD Chemnitz-Erzgebirge und der Bezirkspolizeidirektion Ústí. Gemeinsame Übungen mit den an einem weiteren Ziel-3 Projekt beteiligten Einsatzkräften der beiden Polizeidirektionen sind Höhepunkte der gemeinsamen Ausbildung. So beispielsweise am 12. Oktober 2011 die Großübung Im Raum Marienberg mit verschiedenen polizeilichen Handlungen, zum Beispiel bei Geiselnahmen mit grenzüberschreitendem Bezug bzw. Amok-Lagen. Hier wurde vor allem das Zusammenwirken mit anderen Einsatzbereichen geprobt. Derartige Einsätze mit einem „Großaufgebot“ an Beamten sind besondere Herausforderungen an die Diensthundeführer und ihre vierbeinigen Kollegen. Aber auch diese wurden erfolgreich gemeistert und zeigten, dass die Polizisten beider Länder gemeinsam wirkungsvoll agieren können.

Ein wichtiger Teil der Projektrealisierung war die Ausbildung der Spezialsuchhunde im Mai 2011 in Marienberg war. Sprengstoff – sowie Rauschgiftspürhunde und Fährtenhunde hatten in einem für alle Teilnehmer unbekannten Terrain, dem Bundeswehrgelände in Marienberg, an beiden Tagen allerhand zu erschnüffeln. Beim gemeinsamen Training tauschten sich die Diensthundeführer über unterschiedliche Ausbildungsmethoden aus. Der Leiter der Abteilung Diensthundewesen der Bezirkspolizeidirektion Ústí, Major Petr Tomašek, sagte anlässlich dieser Veranstaltung gegenüber Pressevertretern: „Wir können viel voneinander lernen und das am besten, wenn wir uns gegenseitig bei der Arbeit zusehen und anschließend darüber reden.“

Weitere Höhepunkte der Projektarbeit sind die jährlichen gemeinsamen Fortbildungstage mit angeschlossenen Leistungsüberprüfungen der Diensthunde. Jeweils in den Frühjahrsmonaten fanden die Vergleiche im tschechischen Kaňkov bzw. Dĕčin statt, die Herbstüberprüfungen wurden am Standort der Chemnitzer Diensthundestaffel bzw. in Langenau durchgeführt. Dabei demonstrierten die Diensthundeführer den hohen Ausbildungsstand ihrer Hunde. Ein Hundeführer der PD Chemnitz-Erzgebirge hatte jedoch bei den Vergleichen in seiner Heimatdienststelle immer die Nase vorn – Polizeihauptmeister Michael Lorenz mit seinem schwarzen belgischen Schäferhund „Harry“. Aber auch im böhmischen Kaňkov bzw. in Dĕčin bewies er mit Harry sein außergewöhnliches Können und zeigte in den Jahren 2009, 2010 und 2011 die besten Leistungen, auch wenn die tschechischen Partner mit „Heimvorteil“ immer eine starke Konkurrenz waren.

Allein im Diensthundeprojekt standen 560.000 Euro zur Verfügung, wobei 85 % der Summe von der EU gefördert und 15 % vom Freistaat Sachsen kofinanziert wurden. Damit konnten die Projektpartner jeweils drei Spezialfahrzeuge für die Diensthundeführer anschaffen, die mit einem separaten PC-Arbeitsplatz und der erforderlichen Kommunikationstechnik ausgestattet sind. So können notwendige schriftliche Arbeiten gleich vor Ort erledigt werden. Die Hundeboxen sind klimatisiert, was vor allem bei großer Hitze einen längeren Einsatz der Hunde, u.a. bei grenzüberschreitenden Maßnahmen möglich macht.
Seit November 2009 nutzen die Diensthundeführer der Bezirkspolizeidirektion Ústí ihre Fahrzeuge, seit Dezember 2010 sind die Diensthundeführer der PD Chemnitz-Erzgebirge u.a. im Rahmen der gemeinsamen Streifen mit ihren Mercedes Vito-Spezialfahrzeugen unterwegs. Im September 2011 konnten von den Projektgeldern außerdem zwei Hundetransportanhänger beschafft werden.

Die gemeinsame Projektarbeit hat nicht nur die Diensthundeführer der beiden Projektpartner PD Chemnitz-Erzgebirge und Bezirkspolizeidirektion Ústí näher gebracht. Bei der Aus-und Fortbildung, bei Übungen und auch bei den Streifen haben alle Teilnehmer viel über die nationalen Besonderheiten, aber auch Gemeinsamkeiten der polizeilichen Arbeit dies- und jenseits der gemeinsamen Grenze erfahren. Vielfach wurden ganz persönliche Kontakte geknüpft, die auch nach Abschluss der Projektphase fortdauern werden.
Die Dienststellen werden im Rahmen der Fortführung des Projektes weitere gemeinsame Vorhaben in Angriff nehmen. Koordinierungsgespräche haben hierzu schon stattgefunden.

ad1

Beide Polizeidirektionen arbeiten seit Jahren nicht nur auf dem Gebiet des Diensthundewesens eng zusammen. Die guten Kontakte der Partnerdienststellen spiegeln sich auf vielfältige Art und Weise wider. Ziel aller gemeinsamen Maßnahmen ist die Erhöhung der Sicherheit im grenznahen Raum beider Länder und die Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung beiderseits der Grenze.

Polizeipräsident Uwe Reißmann.

„Die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Partnerdienststellen ist Beleg dafür, wie auch auf dem Gebiet von Sicherheit und Ordnung unser Europa weiter zusammenwächst. Leider entspricht das subjektive Empfinden der Menschen im grenznahen Raum noch nicht dem tatsächlichen Aufkommen an Straftaten, das seit Jahren rückläufig ist. Die praktizierte Partnerschaft unserer Polizeien wird beides weiter positiv beeinflussen. Davon bin ich überzeugt.“