Gott, Geld und Gerechtigkeit

Mitten in der Finanzkrise verabschiedet die Synode einen 179-Millionen-Euro Haushalt und kritisiert den Zwang zum Wirtschaftswachstum.

Sie lenken die Debatte durch manche Klippen: die Präsidiumsmitglieder der sächsischen Landessynode um Präsident Otto Guse (3. v. l.). Neben ihm die Vizepräsidenten Bettina Westfeld (3. v. r.) und Günter Rudolph (2. v. l.) sowie Ines Marx (2. v. r.), Christoph Apitz (r.) und Margrit Klatte (l.). Foto: Steffen Giersch.

Sie lenken die Debatte durch manche Klippen: die Präsidiumsmitglieder der sächsischen Landessynode um Präsident Otto Guse (3. v. l.). Neben ihm die Vizepräsidenten Bettina Westfeld (3. v. r.) und Günter Rudolph (2. v. l.) sowie Ines Marx (2. v. r.), Christoph Apitz (r.) und Margrit Klatte (l.). Foto: Steffen Giersch.

Die Welt taumelt in der Finanzkrise. Landesbischof Jochen Bohl fand vor der sächsischen Synode deutliche Worte: »Wenn das Geld die Welt regiert und niemand seine Macht begrenzt, wenn Staaten bedenkenlos die Lebensweise der Gegenwart auf Kosten der Zukunft finanzieren – dann kommt Gerechtigkeit unter die Räder und Unfriede herrscht auf der Welt.« In der anstehenden Neuordnung des Finanzsystems werde die Kirche an die Skepsis erinnern, mit der Jesus von Nazareth auf die Macht des Geldes sah, kündigte Bohl an. Und er verwies auf die Barmer Bekenntnissynode von 1934, die angesichts des Nationalsozialismus an Gottes kräftigen Anspruch erinnerte: »Er richtet sich auch an das kapitalistische Wirtschaftssystem und auf die Tätigkeit der Banken.«

Konkret wurde dieser Anspruch in einem Beschluss: Die Landessynode bittet den Rat und die Synode der EKD, den falschen Vorstellungen vom grenzenlosen Wirtschaftswachstum zu widersprechen. Gefordert wird von den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nicht weniger als ein Ende des Zwangs zum Wirtschaftswachstum. Der Impuls dafür geht von der sächsischen Initiative »Anders wachsen« aus.

Suche nach Bekenntnis

Darüber hinaus hatte eine Arbeitsgruppe des Theologischen Ausschusses der Synode ein Votum zur Barmer Erklärung von 1934 erarbeitet. In den Anfängen der nationalsozialistischen Herrschaft hatten sich die evangelischen Kirchen Deutschlands gegen die Irrlehre des Nationalsozialismus gewandt.

Heute stellt sich die Frage, ob die Barmer Erklärung für die sächsische Landeskirche im Sinne eines Bekenntnisses ausgelegt werden kann? Für Ulf Liedke, den Vorsitzenden des Theologischen Ausschusses der Synode, ist die Barmer Erklärung eine »wichtige Abwehr kirchenzerstörender Lehren«. Sie sei aber kein Bekenntnis, auf das sich eine Kirche gründen könne, sondern nur von den Bekenntnissen der jeweiligen Kirche her zu verstehen. Mit diesem Votum wurde in der Synode ein Diskussionsprozess eingeleitet, der auf der Frühjahrstagung 2012 in einen Beschluss münden soll.

Der Synodale Georg Krause (Meißen) erinnerte an seinen Vater, der sich als junger Pfarrer an die Barmer Erklärung gebunden fühlte und dafür zeitweise im Konzentrationslager inhaftiert war. Und der Synodale Pfarrer Ulrich Seidel (Brandis) fragte, ob es heute noch der Staat sei, dem gegenüber sich Kirche positionieren müsse – oder ob wir nicht von ganz anderen Mächten regiert würden angesichts von Banken- und Schuldenkrisen.

EVA-Festival in der Kritik

Die Synode beschloss auf ihrer Herbsttagung den 179,3 Millionen Euro schweren Haushalt der Landeskirche für 2012. Für Diskussionen sorgte vor allem ein Zuschuss in Höhe von 130 000 Euro für das EVA-Jugend­festival der Dresdner Frauenkirche. Der Finanzausschuss hatte eine Kürzung um 60 000 Euro beantragt. »Die Kosten erschienen uns angesichts von 500 Teilnehmern sehr unverhältnismäßig«, sagte Ausschussmitglied Gilbert Peikert. »Auch der Bezug zum inneren Friedens-Anliegen des Festivals ist uns aus der Konzeption nicht so deutlich geworden.« Angesichts der bereits laufenden Vorbereitungen für das Pfingsten 2012 geplante Festival entschied sich die Synode dafür, einen Teil der Zuschüsse in Höhe von 60 000 Euro erst auszuzahlen, wenn ein überarbeitetes Konzept durch die Veranstalter vorgelegt wird.

Bessere Verwaltung

Im Frühjahr 2009 hatte die Synode eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Verwaltungsstrukturreform eingesetzt. Das Ergebnis: Die angestrebte Kostenersparnis durch die zentralen Kassenstellen wurde nicht erreicht. Trotzdem sei damit die Verwaltung der Kirchgemeinden auf einen modernen Stand gehoben worden, so der Synodale Zaumseil aus der Arbeitsgruppe.

Auf die zunehmenden Verwaltungsaufgaben für Pfarrer verwies der Synodale Pfarrer Frank Meinel (Schneeberg). Er fragte, ob an die Position eines Geschäftsführers gedacht sei, um Pfarrer zu entlasten. »Geschäftsführer werden wir von uns aus nicht vorschlagen«, entgegnete Landeskirchenamtspräsident Johannes Kimme. Doch er ermunterte Gemeinden, zusammenzugehen und gemeinsame Stellen für Verwaltungsaufgaben zu schaffen.

Christine Reuther und Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]

Gott, Geld und Gerechtigkeit

Mitten in der Finanzkrise verabschiedet die Synode einen 179-Millionen-Euro Haushalt und kritisiert den Zwang zum Wirtschaftswachstum.

Sie lenken die Debatte durch manche Klippen: die Präsidiumsmitglieder der sächsischen Landessynode um Präsident Otto Guse (3. v. l.). Neben ihm die Vizepräsidenten Bettina Westfeld (3. v. r.) und Günter Rudolph (2. v. l.) sowie Ines Marx (2. v. r.), Christoph Apitz (r.) und Margrit Klatte (l.). Foto: Steffen Giersch.

Sie lenken die Debatte durch manche Klippen: die Präsidiumsmitglieder der sächsischen Landessynode um Präsident Otto Guse (3. v. l.). Neben ihm die Vizepräsidenten Bettina Westfeld (3. v. r.) und Günter Rudolph (2. v. l.) sowie Ines Marx (2. v. r.), Christoph Apitz (r.) und Margrit Klatte (l.). Foto: Steffen Giersch.

Die Welt taumelt in der Finanzkrise. Landesbischof Jochen Bohl fand vor der sächsischen Synode deutliche Worte: »Wenn das Geld die Welt regiert und niemand seine Macht begrenzt, wenn Staaten bedenkenlos die Lebensweise der Gegenwart auf Kosten der Zukunft finanzieren – dann kommt Gerechtigkeit unter die Räder und Unfriede herrscht auf der Welt.« In der anstehenden Neuordnung des Finanzsystems werde die Kirche an die Skepsis erinnern, mit der Jesus von Nazareth auf die Macht des Geldes sah, kündigte Bohl an. Und er verwies auf die Barmer Bekenntnissynode von 1934, die angesichts des Nationalsozialismus an Gottes kräftigen Anspruch erinnerte: »Er richtet sich auch an das kapitalistische Wirtschaftssystem und auf die Tätigkeit der Banken.«

Konkret wurde dieser Anspruch in einem Beschluss: Die Landessynode bittet den Rat und die Synode der EKD, den falschen Vorstellungen vom grenzenlosen Wirtschaftswachstum zu widersprechen. Gefordert wird von den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nicht weniger als ein Ende des Zwangs zum Wirtschaftswachstum. Der Impuls dafür geht von der sächsischen Initiative »Anders wachsen« aus.

Suche nach Bekenntnis

Darüber hinaus hatte eine Arbeitsgruppe des Theologischen Ausschusses der Synode ein Votum zur Barmer Erklärung von 1934 erarbeitet. In den Anfängen der nationalsozialistischen Herrschaft hatten sich die evangelischen Kirchen Deutschlands gegen die Irrlehre des Nationalsozialismus gewandt.

Heute stellt sich die Frage, ob die Barmer Erklärung für die sächsische Landeskirche im Sinne eines Bekenntnisses ausgelegt werden kann? Für Ulf Liedke, den Vorsitzenden des Theologischen Ausschusses der Synode, ist die Barmer Erklärung eine »wichtige Abwehr kirchenzerstörender Lehren«. Sie sei aber kein Bekenntnis, auf das sich eine Kirche gründen könne, sondern nur von den Bekenntnissen der jeweiligen Kirche her zu verstehen. Mit diesem Votum wurde in der Synode ein Diskussionsprozess eingeleitet, der auf der Frühjahrstagung 2012 in einen Beschluss münden soll.

Der Synodale Georg Krause (Meißen) erinnerte an seinen Vater, der sich als junger Pfarrer an die Barmer Erklärung gebunden fühlte und dafür zeitweise im Konzentrationslager inhaftiert war. Und der Synodale Pfarrer Ulrich Seidel (Brandis) fragte, ob es heute noch der Staat sei, dem gegenüber sich Kirche positionieren müsse – oder ob wir nicht von ganz anderen Mächten regiert würden angesichts von Banken- und Schuldenkrisen.

EVA-Festival in der Kritik

Die Synode beschloss auf ihrer Herbsttagung den 179,3 Millionen Euro schweren Haushalt der Landeskirche für 2012. Für Diskussionen sorgte vor allem ein Zuschuss in Höhe von 130 000 Euro für das EVA-Jugend­festival der Dresdner Frauenkirche. Der Finanzausschuss hatte eine Kürzung um 60 000 Euro beantragt. »Die Kosten erschienen uns angesichts von 500 Teilnehmern sehr unverhältnismäßig«, sagte Ausschussmitglied Gilbert Peikert. »Auch der Bezug zum inneren Friedens-Anliegen des Festivals ist uns aus der Konzeption nicht so deutlich geworden.« Angesichts der bereits laufenden Vorbereitungen für das Pfingsten 2012 geplante Festival entschied sich die Synode dafür, einen Teil der Zuschüsse in Höhe von 60 000 Euro erst auszuzahlen, wenn ein überarbeitetes Konzept durch die Veranstalter vorgelegt wird.

Bessere Verwaltung

Im Frühjahr 2009 hatte die Synode eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Verwaltungsstrukturreform eingesetzt. Das Ergebnis: Die angestrebte Kostenersparnis durch die zentralen Kassenstellen wurde nicht erreicht. Trotzdem sei damit die Verwaltung der Kirchgemeinden auf einen modernen Stand gehoben worden, so der Synodale Zaumseil aus der Arbeitsgruppe.

Auf die zunehmenden Verwaltungsaufgaben für Pfarrer verwies der Synodale Pfarrer Frank Meinel (Schneeberg). Er fragte, ob an die Position eines Geschäftsführers gedacht sei, um Pfarrer zu entlasten. »Geschäftsführer werden wir von uns aus nicht vorschlagen«, entgegnete Landeskirchenamtspräsident Johannes Kimme. Doch er ermunterte Gemeinden, zusammenzugehen und gemeinsame Stellen für Verwaltungsaufgaben zu schaffen.

Christine Reuther und Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]