Mörderisches Puzzle

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Wenn sich Puzzleteile zu einem großen Bild zusammensetzen lassen, ist die Freude bei den Puzzlespielern groß. Nicht so im Puzzlespiel von Polizei und Verfassungsschutz, das mehr und mehr Licht in die dunkle rechtsextreme Szene wirft. Dort entwickelt sich aus bislang fragwürdigen und ungeklärten Bruchstücken von Mord, Anschlägen und Überfällen ein Schreckenszenario, in dessen Zentrum ein Trio aus Zwickau zu stehen scheint.

Die Grenzen des Puzzles scheint aber noch keiner zu kennen. Überhaupt schien das Spiel lange Zeit unter dem Ermittlungsteppich gelegen zu haben.

Fixpunkte des Puzzles bilden offenbar zehn gezielte Morde innerhalb von sieben Jahren. Die Opfer waren acht türkisch- und ein griechischstämmigr Ladenbesitzer sowie eine deutsche Polizistin. Hinzu kommen zahlreiche Banküberfälle und möglicherweise weitere Anschläge.

Das klingt nicht nach den bekannten rechtsextremistischen Schlägereien am Rande von Demonstrationen, den Überfällen auf linke Einrichtungen oder Hetzjagden auf Ausländer. Auch das aufgetauchte Bekennervideo des selbsternannten »Nationalsozialistischen Untergrunds« hat eine besondere Qualität. Im Comic-Stil von Paulchen Panther zeigt es die Morde und ihre Opfer aus Nachrichtenbeiträgen, kommentiert in der Art des rosaroten Panthers.

Vielleicht will man dieses Puzzlespiel lieber gar nicht bis zuende spielen, gar nicht sehen, was sich an Grausamkeiten und Menschenverachtung noch verbirgt. Doch wenn sich so ein Fall in dieser Art nicht wiederholen soll, müssen alle Puzzleteile auf den Tisch. Denn die drei Zwickauer Extremisten werden wohl nur die Spitze des Eisbergs sein.

Uwe Naumann

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]