Gott lässt das Licht der Verstorbenen nicht verlöschen

candles

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.
Lukas 12, Vers 35

Auf der Treppe brennt die Kerze. Heute ist jemand im Chemnitzer Hospiz gestorben. Alle, die ins Haus gehen oder hinaus wollen, kommen an dem Licht vorbei. Es wird immer entzündet, wenn jemand im Haus gestorben ist. Die Bewohner des Hospizes, die auf den eigenen Tod warten, sehen die brennende Kerze. Mitarbeiter und Angehörige nehmen sie im Vorbeigehen wahr. Sie erinnert daran, dass der Tod nicht das Ende bedeutet. Das Licht wird angezündet, wenn jemand verstorben ist, nicht ausgelöscht. Es erhellt das Treppenhaus. Seine kleine Flamme leuchtet, wärmt und hat etwas Lebendiges und Bewegtes.

Pfarrerin Dorothee Lücke leitet das Evangelische Forum in Chemnitz.

Pfarrerin Dorothee Lücke leitet das Evangelische Forum in Chemnitz.

Lichter werden auch am kommenden Sonntag, dem Ewigkeitssonntag, in vielen Gottesdiensten entzündet. Für jedes Gemeindeglied, das sich auf den letzten Weg gemacht hat, eine Kerze. Diese soll an den Menschen erinnern, der von uns gegangen ist. Die brennenden Lichter zeigen, dass er oder sie nicht vergessen ist. An jeden einzelnen wird persönlich gedacht.

»Lasst eure Lichter brennen!« sagt der Wochenspruch für diese Woche. Mich fordert dieses Bibelwort dazu auf, meine Hoffnung in dieser Zeit nicht verlöschen zu lassen. In meinem Licht trage ich etwas von dem Licht der Verstorbenen in mir. Wenn ich mich an sie erinnere, leuchtet es. Sie haben mir etwas mitgegeben für mein Leben, wofür ich dankbar bin: Liebe, Kraft, eine bestimmte Art zu denken. Ich möchte deshalb mein Licht brennen lassen – bis in die Adventszeit hinein. Bis Weihnachten.

Denn da wird Christus, das Licht der Welt, geboren. Ich verlasse mich darauf, dass Gott das Licht der Verstorbenen nicht verlöschen lässt. Stattdessen hat er ihre Lichter wieder in sein Licht zurückgeholt. Sie leben bei ihm, in seiner Nähe. Wie eines Tages wir alle.

Dorothee Lücke

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]