Gott bekommt ein menschliches Gesicht

kreuz

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
Sacharja 9, Vers 9

»Ich sehe schon den Jibimarkt, gleich sind wir bei Oma und Opa!« freuen sich meine Kinder, wenn wir nach fünf Stunden Bahnfahrt unser Reiseziel erreicht haben. Wenn sie wissen, gleich sind wir angekommen, gleich schließen sie nach Monaten Oma und Opa in die Arme, gleich können sie sich an Omas Kaffeetisch setzen und finden vielleicht eine Überraschung auf dem Gästebett.

Wie schön ist es anzukommen bei jemandem, nach dem man sich gesehnt hat! Oder wenn jemand endlich ankommt, auf den man lange gewartet hat. Im lateinischen Wort »Advent« steckt das deutsche »Ankommen«. In unserem Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Sacharja wird so eine lang erwartete Ankunft versprochen: Ein besonderer König wird endlich kommen. Alle Lebensbereiche werden sich verändern, die Menschen werden ein gutes Verhältnis miteinander und mit Gott haben.

Pfarrerin Dorothee Lücke leitet das Evangelische Forum in Chemnitz.

Pfarrerin Dorothee Lücke leitet das Evangelische Forum in Chemnitz.

Der Spruch redet zu Menschen, die in schwierigen Zeiten leben. Sacharja verheißt ihnen, dass Gott zu ihnen kommt und ihre Welt endlich gerecht und friedlich macht.
Schon sehr früh haben Christen diesen prophetischen Spruch auf Jesus bezogen. Die Evangelisten haben das Alte Testament genutzt, um Jesus und seine Botschaft tiefer zu begreifen.

Alle vier erzählen, dass Jesus als König in Jerusalem einzieht: auf einem Esel wie der angekündigte Friedenskönig. In ihm bekommt Gott ein menschliches Gesicht, Augen, die uns ansehen und einen Mund, der uns liebevoll anspricht. Advent heißt: Ganz nah ist mir Gott, zu mir möchte er kommen. Diesem Gedanken möchte ich in den nächsten Wochen in mir Raum geben. Mich freuen auf seine Ankunft! Und jetzt selber im Advent ankommen.

Dorothee Lücke

Pfarrerin Dorothee Lücke leitet das Evangelische Forum in Chemnitz.

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]