Klimakonferenz am Küchentisch

KlimakonferenzEin Auto steuert mit 100 Sachen auf eine Wand zu. In seinem Innern diskutiert man höflich und in gemessener Sprache, ob man die Geschwindigkeit etwas drosseln solle. Vielleicht um 20 Prozent, vielleicht nur um 15 oder gar 40 Prozent? Man wird sich nicht recht einig. Schließlich will keiner der Insassen als Verlierer gelten.

Am Ende der Fahrt werden sie es alle sein.

So ist noch immer der Stand der Diskussion um das sich aufheizende Weltklima. Auch jetzt, am Beginn der UN-Klimakonferenz in Durban – es ist die siebente ihrer Art. Nach all den Fakten, die die Wissenschaft der ganzen Welt vor Augen gelegt hat, scheint jeder Appell nur noch billig und banal.

Die Wirklichkeit freilich ist noch billiger und noch banaler: Nie wurde mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft gepustet als im vergangenen Jahr, so schätzt das US-Energieministerium. In Deutschland rechnet man mit einer Steigerung der Kohlendioxid-Emmissionen im Verkehr und einem Verfehlen der Klimaschutzziele. Und auf der Erde wird es wärmer und wärmer, nicht erst die Dürre in diesem November zeigte das.

Es ist ein Versagen der Politik.

Und es ist auch unser Versagen – als Konsumenten, Teil der Wirtschaft und auch als Kirche. Kreativ sind wir oft nicht im Energiesparen. Wir sind es im Finden von Gründen, warum wir unser Verhalten – leider, leider – gerade nicht ändern können.

Dabei zeigen die Daten der Wissenschaftler klar: Es geht nicht um grüne Schleifchen um unseren Lebensstil, es geht um einen Kurswechsel. Der kann am Küchentisch beginnen, auf den Einkaufszetteln, Stromrechnungen und bei unseren Urlaubsplänen.

Die Bibel nennt so etwas Buße, Umkehr.

Der Advent war früher die Zeit dafür.

Man muss nicht immer alles neu erfinden.

Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]