Zwiespältig

lasseManchmal liegen zwischen der Erkenntnis von Ungerechtigkeiten weltweit und dem Handeln vor der Haustür Welten. Jüngstes Beispiel für einen solchen Zwiespalt ist das Verhalten im Falle Syriens. Da setzt sich Deutschland bei den Vereinten Nationen mit Nachdruck dafür ein, dass das gewaltsame Vorgehen des dortigen Regimes gegen das eigene Volk untersucht wird.

Manchmal liegen zwischen der Erkenntnis von Ungerechtigkeiten weltweit und dem Handeln vor der Haustür Welten. Jüngstes Beispiel ist das Verhalten im Falle Syriens. Da setzt sich Deutschland bei den Vereinten Nationen mit Nachdruck dafür ein, dass das gewaltsame Vorgehen des dortigen Regimes gegen das eigene Volk untersucht wird.

Auf der anderen Seite will die Bundespolizei 20 syrische Flüchtlinge nach Polen abschieben, die am 22. November in der Nähe von Cottbus in einem Lkw entdeckt wurden. Die 18 Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 31 Jahren hätten »keinerlei für den Aufenthalt in Deutschland notwendige Dokumente« bei sich gehabt, argumentiert die Bundespolizei. Dass in Syrien seit Monaten ein blutiger Bürgerkrieg tobt, spielt dabei keine Rolle.

Weit schlimmer verhält es sich mit den Flüchtlingen, die in südeuropäischen Ländern gestrandet sind. Nicht umsonst hat die Flüchtlingsorganisation »Pro Asyl« einen europäischen Schutzschirm gefordert, weil die Flüchtlinge in Griechenland oder Malta zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssten. Die aktuelle Aufnahme von 152 Flüchtlingen durch die Bundesrepublik ist da allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

Besonders problematisch erscheint die Situation von Kindern – dort wie hier. Die evangelische Kirche hat deshalb anlässlich des Tages der Menschenrechte die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention für Flüchtlingskinder angemahnt. Obwohl die Bundesrepublik diese bereits 1992 ratifiziert hat, gibt es immer noch Handlungsbedarf. So hat sich laut EKD am Umgang der Behörden mit minderjährigen Flüchtlingen vielfach nichts geändert. Der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ist eine gute Gelegenheit, ihre schwierige Situation in den Blick zu nehmen.

Martin Hanusch

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]