»Wir nehmen die Not Homosexueller wahr«

Pfarrer der Kirchenbezirke Leipzig und Leipziger Land sind für Segnung und Anerkennung homosexueller Paare

Die Superintendenten Martin Henker (l.) und Matthias Weismann (r.).

Die Superintendenten Martin Henker (l.) und Matthias Weismann (r.).

In der Diskussion um die Gleichstellung homosexueller Pfarrer gehen nun auch die Anhänger einer Öffnung der Landeskirche in die Offensive. In einer öffentlichen Erklärung haben 53 Pfarrer aus ganz Sachsen sowie weitere kirchliche Mitarbeiter und Gemeindeglieder die bisherige Praxis der Landeskirche heftig kritisiert. »Wir nehmen eine offenkundige Not homosexueller Männer und Frauen wahr, denen als Christen vorgeworfen wird, Gottes Wahrheit vorsätzlich zu ignorieren«, heißt es in der Erklärung.

Die Diskriminierung Homosexueller wird darin auch als Schuld der Kirche angesehen. »Homosexuelle Menschen haben ihre Orientierung nicht selbst gewählt, sondern sind von Gott als schwul oder lesbisch geschaffen worden.« Deshalb plädieren die Unterzeichner – unter ihnen der Bornaer Superintendent Matthias Weismann und sein Leipziger Amtsbruder Martin Henker – für eine Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern. Auch die Segnung homosexueller Paare soll erlaubt werden.

Das Schreiben wurde auf einem Studientag der Pfarrer des Kirchenbezirks Leipziger Land verfasst. Auf dessen Internetseite wird dazu eingeladen, sich anzuschließen oder seine Meinung zu äußern.

Die Ephoralkonferenz des Kirchenbezirks Leipzig diskutierte am 7. Dezember ebenfalls über die Segnung homosexueller Partnerschaften. Eine Arbeitsgruppe Leipziger Theologen stellte dabei einen Vorschlag zu Richtlinien für einen Gottesdienst zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vor.

»Ob dem Begehren nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Paare entsprochen werden kann, obliegt dem Gewissen und der seelsorgerlichen Verantwortung der Pfarrerinnen und Pfarrer, die darum gebeten werden«, heißt es in dem Entwurf. »Jede und jeder ist in dieser Entscheidung frei.«

Voraussetzung für eine Segnung soll eine standesamtlich eingetragene Lebenspartnerschaft sein. Bisher soll es nach einem Beschluss der sächsischen Kirchenleitung keine Gottesdienste zur Segnung homosexueller Partnerschaften in der Landeskirche geben.

Der Entwurf aus dem Kirchenbezirk Leipzig sieht dagegen ausdrücklich eine öffentliche und »gemeindebezogene« Segnung im Rahmen eines Gottesdienstes vor. »Der jeweilige Kirchenvorstand muss sein grundsätzliches Einverständnis mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erklärt haben«, heißt es in dem Papier. »Kann und will ein Pfarrer aus theologischen, aus Gewissensgründen oder wegen der Ablehnung durch den Kirchenvorstand die begehrte Segenshandlung nicht vollziehen, kann der Superintendent das Paar an einen Pfarrer oder eine Pfarrerin vermitteln, von denen er weiß, dass es in deren Gemeinde möglich ist.«

Der Leipziger Superintendent Martin Henker blickt nun voraus auf die Sitzung der Kirchenleitung am 20. Januar, die dann den Umgang mit homosexuellen Partnerschaften in der Landeskirche neu diskutiert. »Das Papier wurde der Kirchenleitung weitergegeben, um in die anstehenden Beratungen einbezogen zu werden«, so Henker. (so)

Der offene Brief der Pfarrer im Internet hier

www.kirche-im-leipziger-land.de

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]