Organspende ist keine Pflicht

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Eigentlich könnten die Befürworter der Organspende frohlocken: Zwei Drittel der Deutschen wären bereit, einem schwer Erkrankten ein Organ zu überlassen, wie die Bertelsmann-Stiftung und die Krankenkasse Barmer GEK in einer Studie ermittelt haben. Rund 12 000 Patienten warten der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge in der Bundesrepublik auf eine Niere, eine Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Gemessen daran ist die Zahl jener, die einen Spenderausweis besitzen, zu gering.

Mehr als 1100 Patienten sind im vergangenen Jahr gestorben. Verständlich also, wenn Politiker wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Druck machen. Scheint nun ein Hoffnungsschimmer für die schwer Erkrankten auf?

Nein, noch kann davon keine Rede sein. Denn – auch dies hat die Studie gezeigt: Die Unsicherheit bleibt groß, eine Entscheidung anspruchsvoll. Setzt sie doch voraus, dass man sich mit solch komplizierten Grenzfragen wie der nach dem Hirntod beschäftigen muss – jenem Zeitpunkt also, an dem Organe entnommen werden könnten. Bedenken bleiben: Kann man von einem Menschen, dem dies widerfährt, würdig Abschied nehmen? Und sind die Erfolgsaussichten, mit einem Spenderorgan auf Dauer zu überleben, nicht zu gering?

Die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland ist eindeutig: Sie ermutigt zur Organspende. Sie könne ein Akt der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Aber sie erklärt das nicht zur Christenpflicht. Sie lehnt daher auch die Widerspruchsregelung ab, bei der jedem, der nicht ausdrücklich ablehnt, Zustimmung unterstellt wird. Angesichts des hohen Bedarfs ist Information nötig – keineswegs moralischer Druck.

Tomas Gärtner

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]