Kindlein, mein

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Etwa 40 Wochen dauert eine Schwangerschaft – das war bei Maria nicht anders als bei heutigen Frauen. Ein ungewisses Warten. Wie Maria verlassen sich auch heute Frauen auf Gott.

Erwartet wurde ein Kind schon längere Zeit. Vor allem unmittelbar nach der Hochzeit von Katharina und Uwe T. im vergangenen Jahr. »Das war schon auch etwas nervig«, erinnert sich Katharina an die Fragen aus ihrer Verwandtschaft nach einem Kind. »Aber dann hat es sich wieder gegeben.«

Bis zum Anfang dieses Jahres, da musste sich die junge Dresdner Ärztin selbst fragen: »Bin ich schwanger, oder nicht.« Wegen einer Blasenentzündung wollte sie zum Antibiotikum greifen, zögerte dann aber. Ein Schwangerschaftstest brachte keinen eindeutigen Befund. »Das kam doch etwas überraschend«, weiß Katharina noch. »Zuerst habe ich an das Praktische gedacht, wie Frauenarzt und Arbeit. Das haben wir dann gemeinsam besprochen«, erzählt die 30-Jährige, wie ihre Gedanken und Erwartungen erstmals konkret wurden.

Die Blutuntersuchung bei der Frauenärztin am nächsten Tag ließ keinen Zweifel mehr: »Herzlichen Glückwunsch!« Die wohlwollenden Worte der Ärztin für die noch frühe Schwangerschaft sind Katharina unvergessen. Ihre Gedankenwelt richtete sich nun auf ein Leben mit Kind ein.

Etwa 35 Wochen blieben ihr noch bis zur Geburt. Eine Zeit, die sie mit ihrem Mann zusammen planen musste: Zuerst auf Arbeit im Krankenhaus melden, damit für die werdende Mutter die Nachtdienste und Feiertagsarbeit entfallen. Dann war da noch eine Doktorarbeit, an der sie schreiben wollte. Familie und Freunde treffen, mit ihrem Mann die schwindende Zeit zu zweit genießen.

»Am Anfang war das eine sehr schöne Zeit. Keine Übelkeit, keine Einschränkungen«, blickt Katharina zurück. Sie zählte zunächst die Tage, an denen sie noch arbeiten musste. Ab der 27. Schwangerschaftswoche hatte sie Urlaub, dann Mutterschutz. »Viele Dinge für das Kind hatte ich auf die Zeit nach der Arbeit verschoben.« Sie war nach den Diensten im Krankenhaus einfach zu müde gewesen. »Nun aber bin ich eher faul, der normale Alltag reicht mir schon.«, Die Schwangere merkte, wie das wachsende Baby ihr viel Kraft kostet. »Die Doktorarbeit ist deshalb auch noch nicht fertig«, lacht sie.

Viele andere Dinge aber schon: Die Wohnung ist für das Baby eingerichtet, Kindersachen sind organisiert, ein paar Weihnachtsgeschenke gekauft, medizinische Untersuchungen gemacht. »Man muss nicht alles absichern«, meint die Ärztin zu bestimmten medizinischen Vorsorgen. »Man kann sich auch auf Gott verlassen. Gewisse Unwägbarkeiten sind einfach dabei. Und jetzt ist eben Warten angesagt.« Die junge Frau hält ihren Babybauch in die spätherbstliche Sonne.

»Als Mutter fühle ich mich noch nicht«, sagt die Hochschwangere. »Aber natürlich mache ich mir auch Gedanken über die Geburt«, weiß Katharina T., als die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft angebrochen sind. »Ich habe meine Mutter gefragt, wie das war. Ich höre Erfahrungen von Freundinnen mit Kindern. Aber ich weiß nicht, wie es bei mir sein wird.« Eine gewisse Anspannung schwingt mit.

Die letzten Tage vor dem vorhergesagten Entbindungstermin verstreichen, im Bauch zappelt und strampelt das Baby, aber von Wehen keine Spur. Katharina und Uwe gehen ein letztes Mal zu zweit Wandern, gemeinsam Essen. Fünf Tage nach dem Termin kommt Katharina nach einer Routineuntersuchung ins Krankenhaus. Die Ärzte wollen nicht länger warten. Sie leiten die Geburt ein.

Am vierten Advent sitzt eine neue kleine Familie in ihrer Dresdner Wohnung zusammen. Die junge Mutter hält die kleine Johanna im Arm, der junge Vater kümmert sich um die beiden. »Dieses Jahr werden wir Weihnachten anders feiern«, sagen die jungen Eltern und zeigen auf den Tannenbaum, der zum ersten Mal das Wohnzimmer schmückt. »Und wir bleiben über die Feiertage hier.«

Uwe Naumann

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]