»Die Kirche muss Menschen bewegen«

Warum die Kirche ins Radio kommt – und warum nicht. Fragen an den Chef von MDR Jump, Ulrich Manitz.

 

Der gebürtige Dresdner Ulrich Manitz ist seit September Chef der Pop-Welle MDR Jump. Foto: MDR.

Der gebürtige Dresdner Ulrich Manitz ist seit September Chef der Pop-Welle MDR Jump. Foto: MDR.

Herr Manitz, heute früh konnte ich in Ihrem Programm einen singenden Wichtel hören – aber kaum Politik und schon gar nicht Kirche. Sind die Kirche und ihre Botschaft so uninteressant für MDR-Jump-Hörer?
Manitz:
Sie hören uns nicht genau. Seit Ende August haben wir deutlich mehr Informationen im Programm. Und Kirche findet bei MDR Jump auch statt: Im Advent haben wir die Serie »Glocken Mitteldeutschlands« im Programm, in der wir besondere Gotteshäuser und ihre Gemeinden vorstellen. Das sind sehr aufwändige Beiträge, die wir zusammen mit den Senderbeauftragten der Kirchen und mit eigenen Redakteuren produzieren.
 
Liegt es auch an der Kirche selbst, wenn sie nicht so häufig in den Medien vorkommt?
Manitz:
Wir müssen uns nichts vormachen: Wir leben in einem Land, in dem viele Menschen mit Kirche nichts im Sinn haben. Wenn die Kirche mehr in Medien stattfinden will, muss sie auch Themen setzen, die Menschen bewegen. Wir als Sender entscheiden ganz demokratisch, was unsere Hörer interessieren könnte. In unserer Community-Show am Donnerstagabend ist Kirche immer wieder ein Thema, wenn wir mit Hörern über Lebensfragen reden wie kürzlich am Welt-Aids-Tag und demnächst sicher auch in der ARD-Themenwoche »Leben mit dem Tod«. Auch die Hintergründe christlicher Feiertage erklären wir unseren Hörern – das interessiert die Leute draußen.
 
Wie bringt man einer mehrheitlich religiös unmusikalischen Hörerschaft christliche Themen nahe?
Manitz:
Man erreicht Menschen über Themen, die sie berühren. Die Kirche tut ja beispielsweise viel im sozialen Bereich, aber sie hat auch eine theologische Botschaft. Wir müssen allerdings sehr genau darauf achten, ob und wie so etwas in das Programm einer Popwelle passt und suchen da selbst nach einem Weg.
 
Ist es für diese Menschen wichtig, dass keine abschließenden Wahrheiten verkündet werden?
Manitz:
Ich glaube, dass gerade junge Menschen nicht gerne mit vorgefertigten Meinungen konfrontiert werden wollen. Sie wollen kritisch nachfragen. Wir wollen niemanden zu etwas überreden – wir regen zum Weiterdenken an. Wir wollen über Kirche informieren und nicht missionieren.
 
Die Fragen stellte Andreas Roth

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]