Was gibt’s denn da zu feiern?

Es war nicht nur Idylle damals in Bethlehem – das zeigen die Gesichter des erzgebirgischen Krippenschnitzers Eckhard Schreiter.

Es war nicht nur Idylle damals in Bethlehem – das zeigen die Gesichter des erzgebirgischen Krippenschnitzers Eckhard Schreiter.

 

Bei Jesu Geburt war seine Familie ohne ein wärmendes Zuhause – so wie manche Menschen auch heute. Das Schwarzenberger Jugendhaus »kreuz und quer« lädt sie am Heiligen Abend ein.Schließlich hat Jesus Geburtstag.

 
Von Michaela Richter
 

Michaela Richter ist dreifache Mutter, gelernte Konditorin und gründete 2010 das christliche Jugendhaus »kreuz und quer« in Schwarzenberg. Foto: Steffen Giersch.

Michaela Richter ist dreifache Mutter, gelernte Konditorin und gründete 2010 das christliche Jugendhaus »kreuz und quer« in Schwarzenberg. Foto: Steffen Giersch.

Am Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen machen wir die Türen unseres Hauses auf. Dann kommen junge Menschen, die allein gewesen wären und nicht wissen, wo sie bleiben sollen. Wir essen zusammen, reden, hören Musik – wir versuchen Familie zu sein für die, die keine haben.
 
Ich habe das klassische Weihnachten erlebt mit Familie. Das war immer schön für mich als Kind. Aber irgendwann als Jugendliche konnte ich den Zwiespalt zwischen dem, wie Jesus gelebt hat, und dem, wie wir Weihnachten feiern, nicht mehr überwinden. Es gibt so viele Menschen, die einsam oder obdachlos sind, leiden, weinen – Jesus selbst war auf Erden ein Obdachloser. Und wir sitzen vor unserem Weihnachtsbaum mit viel Glitzer und gehen wohlgenährt in die Kirche.
 
Da muss ich an Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter denken. Oder daran, wie er seinen Jüngern gesagt hat: »Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.« Gerade Weihnachten, wenn wir Jesu Geburtstag feiern, kann ich nicht die Augen davor verschließen. Ich muss ein gebender Mensch werden. Es ist schwer, so zu leben.
 
Meine Sofa-Wohlfühlzone zu verlassen, ist nicht einfach – aber es ist das, was wir machen sollen. Und ich merke: Wenn wir schenken, werden wir zu Beschenkten. Wir erleben hier in unserem Haus so eine Freude, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich bin mir sicher, darüber freut sich auch Jesus.
 
Jeder hat einen anderen Ort und einen anderen Auftrag. Wenn ich eine einsame Nachbarin habe, was hindert es mich zu sagen: Komm doch rüber zum Essen?
 

 

Gott macht sich zu einem Menschen und kommt ganz nah zu uns – das ist Weihnachten. Doch wie kann ich dieses Geschenk weitergeben? Einfach ist das nicht – und manchmal verliert man dabei die Allernächsten aus dem Blick.

 
Von Michael Seimer
 

Der Gemeindepädagoge Michael Seimer aus Weinböhla ist zweifacher Vater und Vorsitzender des Bildungsausschusses der Landessynode. Foto: Steffen Giersch.

Der Gemeindepädagoge Michael Seimer aus Weinböhla ist zweifacher Vater und Vorsitzender des Bildungsausschusses der Landessynode. Foto: Steffen Giersch.

Für mich ist zunehmend der Zusammenhang von Advent und Weihnachten wichtig geworden. Gott kommt auf uns zu – und wir gehen ihm entgegen. Dafür braucht es Pausen in dieser hektischen Zeit.
 
Mit meiner Frau und unseren beiden Kindern versuche ich, mir jeden Tag im Advent einen Moment Zeit zu nehmen, um zusammen einen Text, etwa aus der Bibel, zu lesen, die Kerzen des Adventskranzes anzuzünden, gemeinsam zu singen und zu beten.
 
Das ist hilfreich, um Luft zu schöpfen und sich auf Weihnachten auszurichten – auch wenn es oft schwer ist: Es klingelt an der Tür, ein Streit wirkt noch nach oder die Gedanken des Tages lassen einem keine Ruhe.
 
Weihnachten heißt für mich: Gottes Liebe ist so groß, dass er sich zu einem Menschen macht und zu uns auf die Erde kommt. Doch wie gelingt es mir, dies anzunehmen und weiterzugeben? Ich komme immer mehr dazu, das nicht flächendeckend leisten zu wollen. Lieber teile ich meine Zeit mit einigen wenigen Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, die allein oder krank sind, oder sende ihnen einen Gruß.
 
Es bleibt eine Gratwanderung – gerade für kirchliche Mitarbeiter. Denn manchmal meint man, dass Menschen in Schwierigkeiten mehr der Liebe Gottes bedürftig sind als die eigene, scheinbar normale Familie. Es ist wichtig, dass ich meine nächsten Menschen nicht übersehe.
 
Und die Geschenke? Sie zeigen den anderen, dass ich sie gern habe. Aber sie nehmen schnell mehr Raum ein, als ich will. Wir sind gut beraten, wenn wir versuchen, das Schenken in gewissen Grenzen zu halten – um der Weihnachtsbotschaft willen.
 
Aufgeschrieben von Andreas Roth
 

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