Gottesdienst als Vollzeitjob

© Billy Alexander

Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater durch ihn.
Kolosser 3, Vers 17

Wer sonntags eine Stunde lang beim Gottesdienst ist, der verbringt damit ungefähr 0,6 Prozent seiner Woche. Das allein wäre offensichtlich ziemlich wenig Zeit für Gott. Und nicht jeder geht ja Sonntag für Sonntag zur Kirche.

Dafür nehmen sich viele an anderen Stellen Zeit für ihr Leben als Christ: Mit täglichem Lesen in der Bibel oder der Losung, mit Gebeten, manche mit vielen Stunden Engagement in der Kirchgemeinde. So macht das Zeitbudget vieler Christen schon mehr her.

 Friederike Ursprung ist evangelische Kirchenredakteurin für Radio PSR und R.SA.

Friederike Ursprung ist evangelische Kirchenredakteurin für Radio PSR und R.SA.

Ein bisschen christlich reicht nicht – so lässt sich der Vers aus dem Kolosserbrief lesen. Mit Christus hat Gott alles für die Menschen gegeben, damit sie zu einem befreiten Leben als neue Menschen finden. Dazu sollen sie alles ablegen, was dem im Weg steht: Zorn, Bosheit, Lästerung, Habsucht, Götzendienst. Und ihr neues Leben sollen Christen anziehen wie ein Kleidungsstück aus Freundlichkeit, Geduld, Demut – und vor allem aus Liebe.

Wenn schon, denn schon, bedeutet das.

In Christus habt ihr alles bekommen, also gebt auch alles! Aus dem Mund von Trainer oder Chef klänge das wie »quält euch bis zum Umfallen«. Doch genau das verlangt Christus nicht. Wohl aber: Versucht nicht, euren Glauben in Nischen oder Zeitfenster einzupassen – alles, was ihr tut, soll im Wortsinn Gottes-Dienst sein: sonntags oder alltags, in Beruf, Familie, Freizeit oder Ehrenamt!

Ein hoher Anspruch ist das.

Ein neuer Mensch sein, der Christus nachfolgt, das ist keine Sache fürs stille Kämmerlein, sondern ein Vollzeitjob. »Alles was ihr tut, tut im Namen Jesu« betrifft nicht so sehr die Frage, was Menschen tun, sondern wie: Wie begegne ich Familie und Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern oder den Menschen, die mir anvertraut sind? Will ich maximalen Profit aus allem rausholen, oder achte ich auf Gerechtigkeit gegenüber Menschen und Schöpfung? Im Beruf, beim Einkaufen oder beim Autofahren?

Kann ich das, was ich tue und sage, im Namen Jesu verantworten?

Das soll der Maßstab für Christen sein – als Dank an Gott, der ihnen dieses Leben durch Christus geschenkt hat: Ein Leben, in dem sie Maßstäbe wie Macht und Profit nicht mehr nötig haben!

Friederike Ursprung

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]