Abschied nach 474 Jahren

Mit der Fusion der Kirchenbezirke Glauchau und Rochlitz zum Jahreswechsel zählt die Sächsische Landeskirche noch 19 Kirchenbezirke. Karte: DER SONNTAG

Mit der Fusion der Kirchenbezirke Glauchau und Rochlitz zum Jahreswechsel zählt die Sächsische Landeskirche noch 19 Kirchenbezirke. Karte: DER SONNTAG

 
Die Kirchenbezirke Glauchau und Rochlitz müssen zusammengehen – das bringt weite Wege und manche Chancen

Leicht fällt es ihm nicht. Doch Johannes Jenichen muss es tun. Kurz vor Weihnachten greift er zum Werkzeug, geht vor das Rochlitzer Pfarrhaus. Ohne großes Aufsehen schraubt er das Schild der Superintendentur Rochlitz ab. Danach klopft er von der Außenmauer des Grundstücks die Buchstaben herunter, die auf den Sitz des Kirchenbezirks hinweisen.

Eine fast 475-jährige Tradition wird zerschlagen, zurück bleiben ihre Schatten an der Wand. »Das ist schon besonders historisch«, sagt der Mann, der seit 1996 diesem Kirchenbezirk vorsteht. »Wir dachten, das wäre ewig.«

Rochlitz ist eine von vielen Ephorien der Sächsischen Landeskirche, die in den letzten Jahren mit anderen fusionieren. Von ehemals 25 Kirchenbezirken sind noch 19 übrig, wobei die nächste Fusion von Meißen und Großenhain schon beschlossen ist.

Doch kein Kirchenbezirk weist eine solche geografische Besonderheit auf wie die neue Ephorie Glauchau-Rochlitz. Denn nur wenige Kilo­meter gemeinsame Grenze trennten bisher – und müssen nun das neue Gebilde verbinden. »Ich werde versuchen, alles zusammenzuhalten«, sagt Jenichen über seine 56 Kirchgemeinden mit knapp 50 000 Gemeindegliedern.

Neben dem Zusammenhalten gehe es bei der Fusion um das Zusammenführen, weiß Holger Bartsch. »Wir können Konzeptionelles einbringen wie die Gemeinde-Uni und einen Referenten für Gemeindeaufbau«, stellt der stellvertretende Superintendent von Glauchau die Gaben seiner Ephorie vor. Rochlitz leiste eine gute Arbeit mit Kindern und bringe den Superintendenten mit.

Eigenhändig entfernt Johannes Jenichen zum Jahresende die Hinweise auf seine Rochlitzer Superintendentur. Er arbeitet künftig in Glauchau. Foto: M. Kober

Eigenhändig entfernt Johannes Jenichen zum Jahresende die Hinweise auf seine Rochlitzer Superintendentur. Er arbeitet künftig in Glauchau. Foto: M. Kober

»Das wird eine schöne Vielfalt«, meint Bartsch. Johannes Jenichen ergänzt: »Die Ephorie Rochlitz bringt die Erfahrung mit drei Kirchspielen ein.« Diese Strukturen gebe es in Glauchau nicht. Sie könnten aber zukünftig wichtiger werden, schätzt Jenichen.

Die Fusion hat auch ihren Preis, denn die Wege im Kirchenbezirk werden länger – mit dem Wechsel der Superintendentur von Rochlitz nach Glauchau besonders für die Rochlitzer Region. »Sie müssen aber nicht zu uns kommen, sondern wir kommen zu ihnen«, sagt Johannes Jenichen über die ephoralen Mitarbeiter.

Ein neuer Bus der Jugendarbeit fahre schon durch das Land. »Wir sind die Reiseapostel«, so Jenichen. Das kennt Monika Hähnel, die seit 1986 Rochlitzer Bezirkskatechetin ist. Vertretungsweise hatte sie schon für ein Jahr die Glauchauer Ephorie mit betreut – ohne Auto. Für die Fusion sollte die 56-Jährige einen Führerschein machen und fast nur noch hospitieren. »Das möchte ich nicht«, sagt sie und entschied sich für eine Arbeit als Gemeindepädagogin.

Doch nicht immer führen die Wege bis Glauchau: Große Veranstaltungen des Kirchenbezirks werden in Burgstädt stattfinden, die Gemeindepädagogen treffen sich in Waldenburg. »Wir müssen auch nicht alles ganz groß organisieren«, meint Johannes Jenichen. »Wir müssen in Regionen denken.«

Uwe Naumann

Vereinigungsgottesdienst am 6. Januar, 18 Uhr in der Georgenkirche Glauchau. Dann startet auch die neue Homepage des Kirchenbezirks: www.kirchenbezirk-glauchau-rochlitz.de

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]