Ende und Anfang

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Ein neues Jahr hat begonnen und wir stehen wieder einmal vor dem Ende der Welt. Hätten doch die Mayas bloß ihren fünftausendjährigen Kalender weiter geschrieben – dann müsste sich heute niemand davor fürchten, dass mit dem Ende der aufgeschriebenen Tage in diesem überlieferten Dokument am 21. Dezember 2012 auch das Ende der wirklichen Tage auf unserer Erde gekommen sein wird.

Dass alles Irdische einmal endet, wissen wir. Wir wissen auch, in wessen Hand es liegt. Und wir können ahnen, wie es aussehen könnte – das Ende der Erde. Denn wir schinden sie ganz schön, holen aus ihr heraus, was sich nur irgendwie verwerten lässt. Nicht immer gereicht diese Ausbeute zum Segen für Menschen. Und Weltuntergangsszenarien werden immer wieder gern verfilmt, weil sich mit dem Schauer des Entsetzens gut Geld verdienen lässt.

Es heißt sogar, auf die Furcht vor dem, was im neuen Jahr kommen mag, sei der gestiegene Umsatz im Weihnachtsgeschäft zurückzuführen: Weil die Menschen der Wirtschaft und dem Euro nicht mehr vertrauten, hätten sie ihr Geld in Kaufhäusern und im Versandhandel ausgegeben. Dann kann doch die Furcht nicht so groß sein, wenn das Geld so locker sitzt.

Die Angst ist in ganz anderen Weltgegenden zuhause: bei den hungernden Menschen in Ostafrika, im sich nun selbst überlassenen und von Kriegsjahren gezeichneten Irak, ebenso in Afghanistan. Bei den Menschen, die aus politischer oder wirtschaftlicher Not aus ihrer Heimat fliehen und bei uns Hilfe und Neuanfang suchen. Ihre Hoffnung wird es sein, dass ihre Not bald endet. Deshalb bleibt noch viel zu tun, um die Erde lebenswert für alle zu gestalten – auch wenn unser aller Dasein einmal endet.

Die Furcht davor sollte uns nicht abhalten, es zu tun.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]