Passt das zusammen?

Die Kirchenbezirke Meißen und Großenhain gehen zusammen – trotz Unterschieden

In Meißen die Frauenkirche (l.), in Großenhain die Marienkirche (r.): Trotz der gleichen Namenspatronin der Kirchen gibt es zwischen den beiden Kirchenbezirken erhebliche Unterschiede. Fotos: Steffen Giersch

In Meißen die Frauenkirche (l.), in Großenhain die Marienkirche (r.): Trotz der gleichen Namenspatronin der Kirchen gibt es zwischen den beiden Kirchenbezirken erhebliche Unterschiede. Fotos: Steffen Giersch

Unterschiedliche Traditionen, andere Strukturen, verschiedene Ziele: größer kann die Kluft zwischen zwei Kirchenbezirken kaum sein. Und doch müssen sich Meißen und Großen­hain zusammenschließen.

»Das wird eine Ehe zwischen sehr unterschiedlichen Partnern«, mutmaßt Gerlinde Franke, Vorsitzende der Großenhainer Kirchenbezirkssynode. Eine Arbeitsgruppe beider Kirchenbezirke hatte bis Sommer 2011 analysiert und verglichen. Aus Meißen hieß es dann: »Die Kirchenbezirkssynode spricht sich gegen eine Fusion aus.« Und aus Großenhain: »Der Kirchenbezirksvorstand sah daraufhin keine Grundlage für die Vereinigung der Kirchenbezirke zum gegebenen Zeitpunkt.«

Die Unterschiede betreffen Grundsätzliches. Zum Beispiel die Anstellung der Gemeindepädagogen: im Meißener Kirchenbezirk liegt die bei den Gemeinden, in Großenhain beim Kirchenbezirk. »Die Betroffenen erleben das als überwiegend positiv«, sagt Gerlinde Franke. Sie sieht es als Fortschritt. Anders organisiert ist auch die Diakonie, wie Michael Gilbert sagt, Vorsitzender der Meißener Kirchenbezirkssynode: In Meißen als Verein, in Großenhain als gemeinnützige GmbH.

Weiterer Gegensatz: »Wir haben die Ortsgemeinden gestärkt«, sagt der Meißener Superintendent Andreas Stempel. »Wir hingegen denken in Regionen«, erläutert Pfarrer Harald Pepel, stellvertretender Superintendent in Großenhain. Dazu gehöre auch eine zentrale Arbeitsstelle »Kinder-Jugend-Bildung«. »Diese Struktur tut uns gut«, betont Pepel. Eine Verbesserung, hinter die Großenhain nicht wieder zurück will. »Nun müssen wir sehen, ob wir uns für das eine oder das andere Modell entscheiden oder etwas völlig Neues aus beiden machen«, sagt er. Meißens Superintendent Stempel meint: »Bei einer Vereinigung müssen beide Seiten nachgeben.«

Immerhin hat die Landessynode beim Fusionsbeschluss im November 2011 ein Jahr Übergangsphase gewährt – bis Jahresbeginn 2013. Die Neuordnung von Verwaltung und Leitung lasse sich bis dahin bewältigen, sagt Michael Gilbert aus Meißen. »Um aber die Unterschiede zu beseitigen, reicht ein Jahr nicht.«

Eines der Hauptprobleme ist die Größe des neuen Kirchenbezirks: von der brandenburgischen Grenze bis kurz vor Freiberg. »Das bedeutet viel längere Wege«, sagt Andreas Stempel, der den neuen Kirchenbezirk leiten wird. »Unser Kirchenmusikdirektor zum Beispiel hat statt 56 dann 120 Orgeln. Da wird er nicht mehr überall hinkommen.« Andreas Stempel selbst hat dann statt 22 Pfarrern etwa 50 Mitarbeiter. Wie er da Leitung und Führung bewältigen soll, weiß er noch nicht. Verdoppeln jedenfalls lasse sich die Arbeit nicht. »Also muss ich meinen Tätigkeitsbereich neu ordnen, vieles weglassen und mich auf Kernbereiche konzentrieren.«

Fusion unmöglich – diese Position ist für die Verantwortlichen jedoch Vergangenheit. »Jetzt schauen wir nach vorn«, sagt Gerlinde Franke. Die Arbeitsgruppe hat schon wieder beraten. »Rezepte gibt es nicht«, meint Michael Gilbert. »Neue Ideen müssen her.«

Tomas Gärtner

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]