Kein bürokratisches Korsett, sondern ein Geschenk Gottes

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Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist
durch Jesus Christus geworden.
Johannes 1, Vers 17

Eine rote Ampel ignorieren, wenn weit und breit die Straße frei ist, oder irgendwelche bürokratische Vorschriften übergehen: Irgend ein Gesetz hat wohl jeder schon mal übertreten. Umgekehrt kann es auch passieren, dass jemand zwar gegen kein Gesetz verstößt, deshalb aber noch lange kein anständiger Mensch ist, der alles richtig macht.

Dennoch bestreitet niemand Sinn und Notwendigkeit von Gesetzen. Für den Evangelisten Johannes gehört das Gesetz, das das Volk Israel bis zu Mose zurückverfolgte, ganz an den Anfang seines Evangeliums: zur Programmerklärung vom Wort, das Fleisch wurde. Und diesem Gesetz stellt er die Gnade und Wahrheit Christi gegenüber.

Tatsächlich hat sich Jesus oft mit dem Gesetz des Mose auseinandergesetzt. Er hat es in der Bergpredigt unerhört neu ausgelegt, er hat sich mit Leuten abgegeben, die von Gesetzes wegen kein angemessener Umgang für fromme Juden waren; er hat immer wieder am Sabbat Dinge getan, die der gesetzlichen Feiertagsruhe widersprachen.

 Friederike Ursprung ist evangelische Kirchenredakteurin für Radio PSR und R.SA.

Friederike Ursprung ist evangelische Kirchenredakteurin für Radio PSR und R.SA.

Seine Begründung: Der Sabbat sei schließlich für den Menschen da und nicht umgekehrt! Doch so ungewohnt er das Gesetz ausgelegt hat – außer Kraft setzen wollte er es nicht, im Gegenteil: Er wollte ihm zu neuem Leben verhelfen – damit das Gesetz kein starres, bürokratisches Regelkorsett ist, sondern ein Geschenk Gottes, das dem Leben dient. Gnade und Wahrheit sind die Zugaben, die diesen Unterschied ausmachen. So kann auch mal Gnade vor Recht gelten – nicht als gnädiges »Schwamm drüber«.

Tue ich, was Gott von mir will? Was habe ich womöglich falsch gemacht, wo bin ich auf Gnade angewiesen? Die Aussicht auf diese Gnade hilft, der Wahrheit ins Auge zu sehen.

Friederike Ursprung

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]