In großer Gewissensnot

Der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady (4. v. l.) übergibt mit acht weiteren Vertretern von Kirchgemeinden Landesbischof Jochen Bohl (3. v. r.)  im Landeskirchenamt die »Markersbacher Erklärung«. In ihr wenden sich Kirchgemeinden gegen homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern. Foto: Steffen Giersch

Der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady (4. v. l.) übergibt mit acht weiteren Vertretern von Kirchgemeinden Landesbischof Jochen Bohl (3. v. r.) im Landeskirchenamt die »Markersbacher Erklärung«. In ihr wenden sich Kirchgemeinden gegen homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern. Foto: Steffen Giersch

Dürfen homosexuelle Paare gesegnet werden oder ins Pfarrhaus einziehen? Darüber wird die Kirchenleitung am Wochenende beraten. Gegner und Befürworter machen Druck.

Gegen eine Lockerung der Regelung zu homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen in der sächsischen Landeskirche haben sich Kirchenvorstände von 121 Gemeinden ausgesprochen. Das entspricht einem reichlichen Sechstel der insgesamt 776 Gemeinden und Kirchspiele in der Landeskirche. Bekundet haben sie das mit ihrer Unterschrift unter die »Markersbacher Erklärung«.

Unterschrieben haben nach Angaben der Initiatoren außerdem Vertreter von 160 Gemeinschaften sowie mehr als 300 Einzelpersonen. Die Erklärung und Unterschriften hat der Initiativkreis Landesbischof Jochen Bohl am 10. Januar übergeben.

In ihrer Erklärung bitten die Unterzeichner die Kirchenleitung und Landessynode, an der bisherigen Regelung von 2001 festzuhalten. Sie besagt, dass »eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird«. Auf ihrer Frühjahrstagung im April muss die Landessynode darüber beschließen, ob das neue Pfarrdienstrecht der EKD auch in der sächsischen Landeskirche gelten soll.

Dieses spricht im Paragraph 39 von Lebensführung der Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe«. Dafür seien »Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung« maßgebend. Die »Begründung« zu diesem Passus jedoch lässt auch »gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften« von Pfarrern zu.

Mit ihrer Unterschrift unter die »Markersbacher Erklärung« hätten dies auch mehrere junge Leute und Theologiestudenten abgelehnt, erklärte der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady im Namen des Initiativkreises. »Daraus wird deutlich, dass unser Anliegen generationenübergreifend vertreten wird und nicht nur die Sache von ein paar ›Alten‹ ist«, fügte er hinzu.

Nach einem halbstündigen vertraulichen Gespräch mit Landesbischof Bohl erklärte die neunköpfige Initiativgruppe in einem Papier, »dass zahlreiche Gemeindeglieder durch die geplante Öffnung in große Gewissensnot geraten und ihre geistliche Heimat in der sächsischen Landeskirche verlieren«. Mit dem Landesbischof seien sie sich einig gewesen, dass die Einheit der Landeskirche gewahrt bleiben möge.

Zugleich aber sei in dem Gespräch deutlich geworden, »dass eine Veränderung der bisherigen Rechtslage kirchenspaltendes Potential besitzt«. Die Initiative mahne die Landeskirche, bei den biblischen Grundlagen und Bekenntnissen zu bleiben. »Die Kirche muss ihrer gesellschaftlichen Orientierungsaufgabe nachkommen und darf sich nicht gesellschaftlichen Entwicklungen unterwerfen, die im Gegensatz zum Wort Gottes stehen.«

Landesbischof Jochen Bohl sagte nach dem Gespräch, er habe den Initiatoren für ihr Engagement gedankt. »Ich habe außerdem darauf hingewiesen, dass die Kirchenleitung diese Sorgen ernst nimmt und die Initiatoren in die Entscheidungsfindung einbezieht.«

Eine andere Erklärung mit dem Namen »Auch unter Christen – Liebe zum gleichen Geschlecht«, die aus dem Kirchenbezirk Leipziger Land kommt und eine Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern und die Segnung homosexueller Paare fordert, haben inzwischen 214 Frauen und Männer unterschrieben – die meisten davon Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter.

Die Zahl eingetragener Partnerschaften von Gleichgeschlechtlichen soll in Sachsen bei etwa 940 liegen.

Tomas Gärtner

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]