Gewissen gegen Gewissen

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Dürfen sie oder dürfen sie nicht ins Pfarrhaus, der Pfarrer oder die Pfarrerin, die ihresgleichen lieben? Die Kirchenleitung hat am 21. Januar eine Entscheidung von einiger Tragweite zu fällen.

Es geht um das neue Pfarrer­dienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dessen Paragraf 39. Wer den 2010 verabschiedeten Gesetzestext liest, wird zunächst nichts Spektakuläres entdecken. Um die Lebensführung der Pfarrerinnen und Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe« geht es da.

Diese Erweiterung über die Ehe hinaus bezieht sich auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ist der Anlass für Unterschriftensammlungen in Sachsen: dafür und dagegen. Warum die EKD diesen Passus ins Gesetz eingefügt hat, wird aus der Begründung deutlich: Er ermögliche es den Gliedkirchen, ihr eigenes Profil im Umgang mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften beizubehalten und weiter zu entwickeln.

Darüber will die Kirchenleitung beraten: Braucht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eine neue Regelung oder will sie an der bisherigen festhalten, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus nicht erlaubt sind? Gegner einer Neuregelung sprechen von Kirchenspaltung. Ernstzunehmende Christen sehen sich in Gewissensnöten. Andere ernstzunehmende Christen wiederum sehen die Gewissensnöte betroffener Pfarrerinnen und Pfarrer.

Doch warum soll es einer Gemeinde zugemutet werden, die es partout nicht will? Und warum einer Gemeinde verwehrt werden, wenn sie darin kein Problem sieht?
Es wird keine leichte Entscheidung, die die Kirchenleitung zu treffen hat. Im Gebet können wir sie unterstützen, dass es eine weise Entscheidung wird.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]