Landeskirche lebt weiter mit Spannungen

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Kirchenleitung öffnet Pfarrhäuser in Einzelfällen für gleichgeschlechtliche Partner.
 

EVLKSDie sächsische Landeskirche kann künftig im Einzelfall eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus gestatten. Voraussetzung dafür sei die »einmütige Zustimmung« des jeweiligen Kirchenvorstands, so der am 21. Januar gefällte Beschluss der Kirchenleitung. Eine »starke Mehrheit« des Kirchenvorstands müsse zustimmen und die Minderheit den Beschluss »mittragen« können, heißt es in der Begründung.

Die Kirchenleitung weiß, dass die Meinungen zur Homosexualität in der Landeskirche weiter weit auseinanderliegen. Sie erkenne »in den verbleibenden unterschiedlichen Auffassungen in Bezug auf das Schriftverständnis und die theologische Bewertung der Homosexualität jeweils eine geistlich und theologisch angemessen begründete Position«, heißt es in dem Beschluss der Kirchenleitung.

Landesbischof Jochen Bohl schreibt in einer Erklärung dazu, die Landeskirche müsse weiter mit »Spannungen leben«. »Das ist möglich, wenn auch die jeweils abweichende Auffassung als eine im Licht des Evangeliums mögliche Auslegung der Bibel akzeptiert wird«, so Bohl.

Der Landesbischof weiß um die Zerreißprobe, die das Thema für die Einheit der Landeskirche birgt. »Jeder Einzelne ringt mit einem an der Schrift geschärften Gewissen um das rechte Verständnis von Gottes Wort«, schreibt der Landesbischof. »Darum ist wechselseitiger Respekt geboten.«

Gegner und Befürworter gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Pfarrhäusern waren sich in der Kirchenleitung in mehreren Punkten jedoch auch einig: Ehe und Familien bleiben als »biblische Ordnung« das Leitbild. Und das Thema Homosexualität sei kein Bekenntnisfall. Der Beschluss der Kirchenleitung war durch eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe vorbereitet worden, in der Juristen und Theologen verschiedener Frömmigkeitsrichtungen nach einer biblisch begründeten Haltung zur Homosexualität fragten.

In ihrem Abschlussbericht spricht sich der größere Teil der Arbeitsgruppe für eine Zulassung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Pfarrhäusern und für eine gottesdienstliche Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften aus. Die Frage nach Segnungsgottesdiensten auch für Homosexuelle steht weiter ungelöst auf der Aufgabenliste der Kirchenleitung.

Andreas Roth

 

Der Beschluss der Kirchenleitung

Die Erklärung des Landesbischofs

Abschlussbericht der Arbeitsgemeinschaft “Homosexualität in biblischer Perspektive”

Markersbacher Erklärung

Leipziger Erklärung für eine Öffnung von Pfarrhäusern für homosexuelle Paare

 

 

Nach dem Beschluss: Pro und Contra

»Die Lage ist sehr, sehr heikel«

Sachsens Pfarrhäuser sind zukünftig nicht mehr tabu für gleichgeschlechtliche Paare. Doch nach der Entscheidung der Kirchenleitung kommt die Diskussion nicht zur Ruhe.

Katrin Jell ist Pfarrerin in Hohnstein.

Katrin Jell ist Pfarrerin in Hohnstein.

Für mich bedeutet der Beschluss der Kirchenleitung wie für alle homosexuellen Pfarrer und Pfarrerinnen einen Zugewinn an Lebensqualität. Mit meiner Partnerin habe ich zwangsläufig eine Fernbeziehung.

Ich predige verbindliche Partnerschaften – aber durfte so nicht leben.

Für die Gemeinde war das schwer zu verstehen. Unsere Kirchenvorstände stehen hinter uns.

Katrin Jell

Dr. Carsten Rentzing ist Pfarrer in Markneukirchen und EKD-Synodaler.

Dr. Carsten Rentzing ist Pfarrer in Markneukirchen und EKD-Synodaler.

Aus meiner Region gibt es schon mündliche Kirchenaustritts-Erklärungen nach dem Beschluss.

Die Lage ist sehr, sehr heikel.

Ich wünsche mir eine Lösung, die möglichst viele mitnimmt.

Deshalb sehe ich die Notwendigkeit, dass die Landessynode zu dieser Frage dezidiert Stellung nimmt.

Carsten Rentzing

Martin Henker ist Leipziger Superintendent.

Martin Henker ist Leipziger Superintendent.

Ich bin froh und dankbar, dass ein Weg gefunden wurde, wie in sehr seltenen Fällen und wenigen Orten der Landeskirche eine angemessene Reaktion möglich ist.

Das ist ein Kompromiss und sollte auch ein solcher werden.

Ich hoffe, dass sich die Synode in diesem Fall nicht auf den Weg macht, Beschlüsse der Kirchenleitung ändern zu wollen.

Martin Henker

 Matthias Dreßler ist Landesinspektor der Landeskirchlichen Gemeinschaften in Sachsen

Matthias Dreßler ist Landesinspektor der Landeskirchlichen Gemeinschaften in Sachsen

 
Die bedingte Freigabe für das Zusammenleben homo­sexueller Pfarrer und Pfarrerinnen im Pfarrhaus widerspricht der Schrifterkenntnis vieler Mitglieder und Besucher der Landeskirchlichen Gemeinschaften und wird von ihnen mehrheitlich als eine schmerzliche Liberalisierung empfunden, die sie nicht bejahen können.

Jetzt gilt es in der Gelassenheit des Glaubens abzuwarten, in welcher Weise sich die Landessynode im April positionieren wird.

Matthias Dreßler

 

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]