Ethik beginnt beim Einkauf

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Wir wollen gesund essen, doch viel kosten soll es möglichst nicht. Wir wollen uns schick kleiden, aber billig muss es sein. Wer etwas günstig ergattert, ist dann glücklich. Und der Händler ist es auch, wenn sein Umsatz stimmt.

Doch das Glück ist einseitig. Mittlerweile müsste es sich herum gesprochen haben, dass unser preiswertes Leben meist auf Ko­sten anderer geht. Der Bauer, der die Schweine mästet, will damit Erlöse erzielen, von denen er leben kann. Bei niedrigen Preisen geht das dann meist nur mit Senkung des Aufwands. Und schon sind wir bei der Massentierhaltung.

Ähnlich ist es bei der Kleidung. Kosten senken, heißt auch da meist die Devise. Und das auf Kosten der Arbeiterinnen in den Nähereien Asiens oder Afrikas. Sie schuften, damit wir uns über ein neues Kleidungsstück freuen können.

Da beruhigt es das Gewissen nicht, das Gebrauchte in einen der Sammelcontainer zu werfen, die zumeist von karitativen Organisationen aufgestellt werden. Denn diese Kleidung kommt keinem Bedürftigen als Spende zugute. Es ist ein Riesengeschäft, das vor allem in Afrika gemacht wird. Auf Kosten der dortigen Textilindustrie. Denn wer dort ein T-Shirt auf dem Gebrauchtwarenmarkt für umgerechnet einen Euro haben kann, wird keines aus heimischer Produktion kaufen.

Und so ist es höchste Zeit, dass wir Kunden und Verbraucher nicht nur von den Unternehmen verlangen, sie mögen nach ethischen Gesichtspunkten produzieren, und dass Banken nach ethischen Kriterien das Geld anlegen. Da muss schon jeder selbst aufpassen. Gütesiegel über faire Produktion gibt es mittlerweile genug. Und es gibt auch noch genug zu tun, bis diese sich in unseren Köpfen eingenistet haben.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]