Neues Hafthaus für älteste JVA Deutschlands

In der Justizvollzugsanstalt Waldheim wurde heute nach reichlich zweijähriger Bauzeit ein Neubau mit 96 Haftplätzen und einem sozialtherapeutischen Bereich feierlich eingeweiht.

Sachsens Justizminister Dr. Jürgen Martens sagte dazu: „In der JVA Waldheim wurden erstmals in ganz Deutschland spezielle Angebote für Erstinhaftierte im Strafvollzug entwickelt. Die Strafgefangenen leben dabei in Wohngruppen. Unter der Projektleitung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement entstanden Hafträume, die dieses moderne Vollzugskonzept optimal umsetzen.“

Abteilungsleiter im Sächsischen Finanzministerium Johann Gierl: „Der Freistaat Sachsen investierte 7,5 Millionen Euro in den Bau des Hafthauses. Insgesamt wurden seit 1991 rund 57 Mio. Euro für Baumaßnahmen in der JVA Waldheim vom Freistaat Sachsen bereit gestellt.“

Im Neubau ist im Erdgeschoss und in den zwei Obergeschossen der wohngruppenorientierte Vollzug mit insgesamt sechs Gruppen untergebracht. Dafür wurden pro Etage zwei Gruppen mit jeweils 16 Haftplätzen sowie den dazugehörigen Aufenthaltsräumen, Therapie- und Dienstzimmern für die Fachdienste angeordnet. Zwischen zwei Wohngruppen befindet sich jeweils ein Dienstraum für den allgemeinen Vollzugsdienst. Jede Wohngruppe besitzt eine Kleinküche, einen Duschraum und einen Mehrzweckraum. Im Untergeschoss des Gebäudes wurden unter anderem Räume für hoch spezialisierte Behandlungen im Bereich der Sozialtherapie eingerichtet.

Die Inneneinrichtung der Hafträume entwarfen Studenten der Fakultät Architektur der TU Dresden, Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitsbauten. Ausgewählte Vorschläge zur Möblierung wurden von der Tischlerei der Justizvollzugsanstalt Bautzen umgesetzt.

Die Arbeiten für die Errichtung des Neubaus begannen im Oktober 2009 in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden. Die Hauptnutzfläche beträgt rund 2000 qm. Das neue Hafthaus ist ein weiteres Beispiel für nachhaltiges Bauen im Freistaat Sachsen: Auf dem Dach des Hauses ist eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung installiert worden. Damit werden Ressourcen gespart und ein Beitrag zur Umweltfreundlichkeit geleistet.

Der Freistaat Sachsen investierte seit 1991 rund 492 Mio. Euro für Baumaßnahmen in den sächsischen Justizvollzugsanstalten.

Die JVA Waldheim – die älteste JVA Deutschlands – wurde 1716 durch Kurfürst August den Starken als Zucht-, Armen- und Waisenhaus gegründet. Sie diente zahlreichen Anstalten in ganz Deutschland als Vorbild und hat heute wieder eine Vorreiterrolle eingenommen: Die JVA Waldheim ist für den gesamten Freistaat Sachsen im Bereich der Sozialtherapie und für den sogenannten Ersttätervollzug zuständig. Bei Letzterem werden Erstinhaftierte mit Freiheitsstrafen ab 2 Jahren von hafterfahrenen Strafgefangenen getrennt. Einen Schwerpunkt dieses Vollzugs bildet die Erziehung zu Selbstverantwortung und Eigenständigkeit. Zu diesem Zweck ist er als Wohngruppenvollzug konzipiert. Die JVA verfügt mit dem Neubau über insgesamt 408 Haftplätze im geschlossenen und offenen Vollzug. Sie ist mit ca. 350 Gefangenen belegt. Die neuen Haftplätze werden sukzessiv belegt.

Medienservice Sachsen
Quelle: Mediaservice-Sachsen