Sieben Wochen Ehrgeiz fasten

7WO2012Sollen wir nicht immer unser Bestes geben? Will nicht jeder, dass er Qualität bekommt, wenn er oder sie sich etwas anschafft? Ist nicht manchmal das Beste gerade gut genug? Und nun ruft die Fasten­aktion »7 Wochen ohne« in diesem Jahr auf, in der Passionszeit auf Perfektionismus zu verzichten, falschen Ehrgeiz zu vermeiden und die Anforderungen an sich selbst herunterzuschrauben. »Du bist gut genug«, lautet die tröstliche Botschaft.

Fast drei Millionen Menschen wollen sich diesem Aufruf anschließen, teilten die Organisatoren der Fastenaktion, die am vergangenen Sonntag in Frankfurt am Main eröffnet wurde, mit.

Es wird wohl nicht jedem Chef gefallen, wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin sich mit dem Hinweis auf die Fastenaktion vielleicht zusätzlichen Anforderungen verweigert. Oder zu den Qualitätsstandards Adieu sagt.

Aber kann es nicht heilsam sein, mit mehr Gelassenheit zu leben? Nicht immer schneller, weiter, besser als die anderen zu sein? Oder nicht immer alles billiger haben zu müssen? Denn dort, wo es solche Gewinner gibt, gibt es immer auch Verlierer. Für Schnäppchen, die wir ergattern, zahlen andere mit niedrigen Löhnen oder schlechten Arbeitsbedingungen drauf.

Andere essen während der Fa­stenzeit keine Schokolade, verzichten auf Alkohol oder Fleisch – oder leben eine Zeit ganz ohne feste Nahrung. Auch das mag heilsam sein und die innere Einkehr befördern. Doch ganz ohne Essen kann der Mensch nicht leben.

Und auch ganz ohne Ehrgeiz geht es nicht.

Und so sind sieben Wochen ohne übertriebene Forderungen an sich selbst und an andere ein gutes Mittel, wieder das richtige Maß zu finden und einfach alles »gut« zu machen, statt immer besser, schneller, billiger.

Christine Reuther

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]