Verlässliche Freunde

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit leisten seit Jahren in Sachsen stille, aber verlässliche Arbeit.
 
Jüdisch-christlicher Dialog beim Kirchentag 2011 in Dresden: Der damalige Landesrabiner Salomo Almekias-Siegl stellt den christlichen Besuchern das Leben in der Synagoge vor. (Foto: Steffen Giersch)

Jüdisch-christlicher Dialog beim Kirchentag 2011 in Dresden: Der damalige Landesrabiner Salomo Almekias-Siegl stellt den christlichen Besuchern das Leben in der Synagoge vor. (Foto: Steffen Giersch)

 
»In Verantwortung für den Anderen« lautet das Motto für die »Woche der Brüderlichkeit« in diesem Jahr. Eröffnet wird sie am Sonntag im Leipziger Gewandhaus. Diese Verantwortung bestimmt auch den christlich-jüdischen Dialog in Sachsen.

Gestaltet wird er vor allem durch jene vier Organisationen, die unter dem Dach des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) zusammengeschlossen sind: kleine Initiativen mit wenig Geld und vielen Ehrenamtlichen.

In Dresden liegt deren Altersdurchschnitt bei 64 Jahren, wie GCJZ-Geschäftsführerin Esther Pofahl berichtet. Und Bettina Jordanov von der Görlitzer Gesellschaft sagt: »Wir hoffen auf neue jüngere Mitglieder«.

Als ihre wichtigste Aufgabe sehen es die Gesellschaften an, für ein gutes Verhältnis zu den jüdischen Gemeinden zu sorgen und aktiv gegen Antisemitismus einzutreten. Geschichte, Erinnerung spielen eine große Rolle. In Dresden etwa werden alljährlich zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus öffentlich Namen ermordeter Juden gelesen. Und eine Radtour führt an Stätten der Judenverfolgung.

Auch aktuelle Ereignisse können Auslöser sein. Wie in Zwickau. 2003 hatten Unbekannte dort den fast hundert Jahre alten jüdischen Friedhof verwüstet. Ein Pfarrer regte an, alle Grabsteine zu dokumentieren. Daraus entstand das Buch »Der Zwickauer Jüdische Friedhof – eine Dokumentation«. Die hebräischen Grabinschriften dafür übersetzte Ruth Röcher, Religionslehrerin der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz. Historische Aufklärung ist hier wie auch in den anderen Gesellschaften ein wichtiges Ziel.

Doch wollen sich die Akteure keineswegs auf Buchwissen beschränken, wie Timotheus Arndt von der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft Leipzig betont: »Wir wollen vor allem vermitteln, wie Juden hier und heute leben. Es geht um das Ankommen in unserer Gesellschaft.« Im Blick haben sie dabei die Tatsache, dass die Jüdischen Gemeinden in den letzten Jahren besonders durch russischsprachige Zuwanderer gewachsen sind. Sie stellen heute etwa 90 Prozent der Mitglieder.

In einzelnen Kirchgemeinden sei das Interesse an christlich-jüdischen Themen rege, berichten Organisatoren. Besonders dort, wo eine jüdische Gemeinde existiert. Doch für viele Christen sei es kein Thema, registriert Esther Pofahl aus Dresden. Meist engagierten sich Pfarrer im Ruhestand oder einzelne Gemeindemitglieder. »Seltener sieht man kirchliche Mitarbeiter bei den Veranstaltungen, am seltensten Pfarrer im aktiven Dienst«, sagt Timotheus Arndt. Dafür beteiligten sich etliche Konfessionslose.

Als enorm wichtig wird die Arbeit der Gesellschaften in allen drei jüdischen Gemeinden in Sachsen anerkannt. »Sie sind unsere Partner«, sagt Ruth Röcher (Chemnitz). »Seit langem ist es für die Dresdner Gemeinde sehr berührend und sehr beruhigend, mit der GCJZ einen Freund an unserer Seite zu wissen, auf den man sich verlassen kann«, sagt Vorsitzende Nora Goldenbogen.

Küf Kaufmann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Leipzig hebt hervor: »Menschen knüpfen hier Freundschaften – zwischen den Einzelnen und zwischen Familien.«

Mehr auf Israel und die Politik im Nahen Osten konzentrieren sich die Sächsischen Israelfreunde mit ihren rund 400 Mitgliedern und einem Freundeskreis von etwa 10.000 Interessierten. Seit 2004 beispielsweise schicken sie Freiwillige nach Israel, die Wohnungen von Holocaust-Überlebenden renovieren. Im Mai wollen sie in Reichenbach ein Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur eröffnen.

Tomas Gärtner

»Woche der Brüderlichkeit«
11. März in Leipzig:
9.30 Uhr ökumenischer Gottesdienst in der Nikolaikirche;
11.30 Uhr zentrale Eröffnungsfeier mit Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Nikolaus Schneider im Gewandhaus.

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]